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Jüdisches Leben : Vom Privileg, ein Frankfurter zu sein

Der erste Abiturjahrgang der jüdischen Lichtigfeld-Schule in Frankfurt Bild: Archiv

Frankfurt am Main galt immer als jüdischste Stadt Deutschlands. Heute muss die Jüdische Gemeinde zwischen Holocaust-Gedenken und junger Liberalität ihren Ort neu bestimmen.

          5 Min.

          Zuletzt mehrten sich die Stimmen, die mit der Darstellung des jüdischen Lebens in Deutschland unzufrieden waren. Bemängelt wurde ein, wie man meinte, verknöchertes Funktionärswesen, das die junge Generation nicht mehr repräsentiere, die nicht jeden Moment an den Holocaust denken und nicht ständig nach dem Antisemitismus befragt werden wolle. Man wünschte sich ein vielfältigeres Bild, das den gewandelten Charakter des Judentums in Deutschland nach dem Zuzug vieler Juden aus der ehemaligen Sowjetunion gerecht würde. Wie dies mit dem Holocaust-Gedenken zu verbinden sei, blieb unbestimmt. Man entkommt dem Dilemma ja nicht, indem man das, was auf deutschen Boden geschah, in die Erinnerung an andere Völkermorde einreiht.

          Thomas Thiel
          Redakteur im Feuilleton.

          In Frankfurt am Main mag diese Forderung etwas besser erfüllt sein als an anderen Orten. Es sei ein sehr großes Privileg, als Jüdin in Frankfurt zu leben, sagt Maja Blum. Die Studentin der Psychologie heißt nicht wirklich so, es wäre ihr unangenehm, als Jüdin in der Öffentlichkeit zu stehen, sie würde auch keinen Davidstern als Anhänger einer Halskette tragen, das Gefühl der Bedrohung will nicht ganz vergehen. Was macht Frankfurt besonders? Wenn eine Straßenbahn mit dem Logo von Maccabi Frankfurt plötzlich an ihr vorbeifahre, sagt sie, dann sei das ein unbekanntes, cooles Gefühl.

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