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Krise in Frankfurter Koalition : Der Oberbürgermeister als eine Art Mini-Trump

Das Verhältnis von Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD, rechts) mit der CDU um Kämmerer Uwe Becker (links), hier 2018 im Römer, ist zerrüttet. Bild: Wolfgang Eilmes

Das Frankfurter Stadtoberhaupt Peter Feldmann schrumpft zum Zwerg und sucht sein Heil in Populismus und Provokation. Dabei braucht die Stadt mit ihren vielen kulturpolitischen Großbaustellen dringend Orientierung.

          5 Min.

          Allem Anschein nach ist eine epochale Glückssträhne in der Geschichte Frankfurts gerissen. In den vergangenen 150 Jahren hat die kleine Metropole am Main immer dann bedeutende Persönlichkeiten an der Spitze gehabt, wenn die Herausforderungen besonders groß waren. Franz Adickes, Ludwig Landmann, Walter Kolb, Walter Wallmann – auch wenn die Namen außerhalb von Frankfurt nur noch wenigen etwas sagen, stehen sie (in jeweils unterschiedlicher Gewichtung) für zielgerichtete Tatkraft, für intellektuelle Brillanz, für mitreißene Öffentlichkeitswirkung und für strategischen Weitblick. Was Frankfurt ist, ist es durch sie.

          Matthias Alexander

          Redakteur im Feuilleton.

          Heute, in der Corona-Krise, die das wichtigste Verkehrs- und Finanzzentrum des Landes ins Mark trifft, ist Peter Feldmann Oberbürgermeister. Groß an diesem Mann sind allein seine derzeitigen Probleme. Vordergründig resultieren sie vor allem aus dem Umstand, dass er ein halbes Jahr vor dem Ausbruch der Pandemie in den Skandal um Selbstbereicherungsseilschaften innerhalb der Frankfurter Arbeiterwohlfahrt geraten ist. Der korrupten Awo-Führung war er beruflich und persönlich eng verbunden, es stehen weitreichende Vorwürfe gegen das Stadtoberhaupt im Raum, etwa die finanzielle Besserstellung seiner späteren Frau und die Frage, ob eigens für ihn eine Stelle, quasi eine Sinekure, geschaffen worden ist, die ihm alle Freiheiten für seinen Wahlkampf um das Amt des Oberbürgermeisters gelassen hat. Auch wegen seines selbstgerechten Krisenmanagements hat Feldmann erheblich an Glaubwürdigkeit verloren, und zwar nicht so sehr in den sogenannten besseren Kreisen, die er ohnehin nie ansprechen wollte, sondern in der sozialdemokratischen Kernklientel. Er selbst scheint allerdings zu glauben, dass sich seine moralische Insolvenz in den verbleibenden vier Jahren seiner zweiten Amtszeit schon noch korrigieren lassen wird.

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