„Er ist wieder da“ im Kino :
Der Adolf in uns allen

Lesezeit: 4 Min.
„Er ist wieder da“, so heißt der Film. Er war niemals weg, so lautet die Botschaft. Die Rolle des Adolf Hitler übernimmt der Schauspieler Oliver Masucci.
Der Kinofilm „Er ist wieder da“ will uns zeigen, wer wir sind. Sind wir nicht alle – oder viele – ein bisschen Hitler? Das ist die Moral einer Komödie, die mit zweifelhaften Mitteln arbeitet und zu einem zweifelhaften Ergebnis kommt.

Im Kino läuft zurzeit ein Film, der eine Satire sein will. In Wahrheit ist er eine experimentelle Anordnung und ein Pamphlet. Er heißt „Er ist wieder da“, nach dem Roman von Timur Vermes und ist mit Stars reichlich besetzt. Katja Riemann und Christoph Maria Herbst etwa spielen mit. Bis zum letzten Wochenende hatten ihn rund 1,75 Millionen Menschen gesehen. Worüber lachen sie? Vordergründig über den Schauspieler Oliver Masucci, der in angekokelter Führeruniform durchs Land reist und eine Botschaft unter die Leute bringt, die sich seit 1933 nicht verändert hat: Am deutschen Wesen soll die Welt genesen. Wobei Adolf Hitler sich schon wundert, dass dieses Deutschland, das er 1945 nur noch der Vernichtung für würdig befunden hat, überhaupt noch existiert. Um die Deutschen also geht es, und ihnen soll das Lachen im Halse steckenbleiben. Denn die Moral von der Geschichte ist nicht „Er ist wieder da“. Sie lautet: Er war niemals weg, denn er lebt in uns, in jedem einzelnen. Adolf, der Menschenfeind und Massenmörder – das sind wir alle.

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