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Kulturstaatsministerin : Vier Fragen an Claudia Roth

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Kulturstaatsministerin Claudia Roth Bild: EPA

Die neue Kulturstaatsministerin liest Nino Haratischwili, hört Igor Levit, liebt die Berlinale – und mag keine einfachen Antworten auf schwierige Fragen.

          4 Min.

          Was lesen Sie?

          Es gibt so viel wunderbare Literatur, die uns als Menschen berührt, neue Welten eröffnet und Brücken bauen kann. Kunst vermag es, Empathie für vorher Unbekanntes in uns zu wecken. Sie ist damit ein Grundnahrungsmittel jeder lebendigen Gesellschaft und damit auch unserer Demokratie. Ich liebe Literatur mit einer prächtigen, mächtigen Sprache, wie beispielsweise bei der georgischen Autorin Nino Haratischwili. Ihr Werk „Das achte Leben“ ist für mich ein Jahrhundertbuch. Außerdem kann ich tief in den Biografien von inspirierenden Frauen versinken – und ich lese gerne skandinavische Krimis rauf und runter. Einen ganz besonderen Stellenwert haben für mich auch Gedichte und Poesie, von Else Lasker-Schüler über den Augsburger Bert Brecht zu Albert Ostermaier, Amanda Gorman oder Max Czollek. Unverzichtbar in der Weihnachtszeit sind natürlich Märchenbücher, besonders mag ich die Märchen von Hans Christian Andersen. Geschichten wie das vom „Mädchen mit den Schwefelhölzern“ treiben mir immer wieder Tränen in die Augen.

          Was sehen Sie?

          Zunächst einmal: Sehr, sehr viel – und das in den unterschiedlichsten Formaten! Ich liebe Filmpreise und dazugehörige Festspiele: Die Berlinale, das Münchener Filmfest, der Europäische Filmpreis und auch der Hörfilmpreis gehören zu den Highlights meines Jahres. Da schaue ich mir so viel wie möglich an, um Filme aus der ganzen Welt und ganz andere Filmkulturen kennenzulernen und meine eigenen Sehgewohnheiten immer wieder damit zu konfrontieren. Bei chinesischen oder japanischen Filmen faszinieren mich zum Beispiel die Bildsprachen und Geschwindigkeiten, mit denen Filme erzählt werden. Im Fernsehen darf es gerne very British zugehen. Der Film „The Father“ mit Anthony Hopkins und Olivia Coleman zum Beispiel ist für mich eine Meisterleistung. Außerdem bin ich ein großer Theater-Fan, so hat es mit meiner Leidenschaft für Kultur ja einst auch angefangen. Ich gehe gerne in das großartige Gorki-Theater in Berlin, ins Berliner Ensemble oder schaue, was in meiner Heimat Augsburg an Stücken läuft. Da dürfen übrigens Poetry-Slams bei mir auch nicht fehlen. Leider konnte dieses wunderbare Format pandemiebedingt schon lange nicht mehr stattfinden. Und natürlich schaue ich immer wieder in Museen rein, in den Hamburger Bahnhof oder zu Ausstellungen wie von Olaf Otto Becker oder Mehmet Güler. „Blue Planet“ im Augsburger Glaspalast hat mir auch sehr gefallen, hier wird die Zerstörung unserer Lebensgrundlagen künstlerisch thematisiert. Dort habe ich unter anderem auch die atemberaubenden Arbeiten der tschechischen Bildhauerin und Fotografin Magdalena Jetelová entdeckt. Ich bin immer gespannt auf die Diversität und den Reichtum unserer Kultur in all ihren Facetten. Bisher nimmt leider viel zu wenig der wunderbaren Verschiedenheit unserer Gesellschaft Raum im kulturellen Diskurs ein, beispielsweise sollten Menschen mit Migrationsgeschichte, LGBTIQ und Frauen mehr Aufmerksamkeit bekommen. Ich bin bereits sehr gespannt auf die documenta 15 im kommenden Jahr, die sich ja einer ganz neuen Arbeitsweise verschrieben hat und von einem Kollektiv von Künstlerinnen, Künstlern und anderen Kreativen aus Indonesien kuratiert wird. Und was übrigens auch nicht fehlen darf: Das Dortmunder Fußballmuseum, denn Fußball ist so viel mehr als die 90 Minuten auf dem Platz.

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