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Fragen an acht Künstlerinnen : Frauen, wie wollen wir leben?

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Am einen Ende des politischen Spektrums erheben die jungen Frauen ihre Stimmen, haben den Mut zu missfallen, aber auch am anderen Ende können wir interessante Entwicklungen beobachten. In Großbritannien bezeichnen sich mittlerweile weibliche konservative Abgeordnete stolz als Feministinnen - das hat es noch nie gegeben. Sie versuchen sogar, auf diese Art und Weise Punkte gegen ihre Kontrahentinnen von der Labour Party zu sammeln: denn Tony Blair konnte das „F-Wort“ bekanntermaßen nicht ausstehen. Und auf einmal drängen die alten Themen wieder nach vorne, die nun einmal immer noch bestimmende Bestandteile des Lebens von Frauen sind: Wie lässt sich Berufstätigkeit vereinbaren mit dem Wunsch, Kinder zu haben und das Familienleben zu genießen? Wie lässt sich angesichts einer erstarkten „Pro Life“-Bewegung das Recht auf selbstbestimmte Fortpflanzung sichern? Und wie können wir einen feministischen Zugang zu Sex, zu Liebe und Intimität sowohl bewahren als auch weiterentwickeln?

Leitet den neugegründeten Hanser Berlin Verlag: die erfahrene Verlegerin Elisabeth Ruge

Üben konnten die Frauen ausführlich

Elisabeth Ruge, sei es Produktion oder Vermittlung - in sämtlichen Künsten besetzen nahezu ausschließlich Männer die höheren Ränge. Ist die Literatur die geschlechtsblinde Ausnahme?

„This is my letter to the World / that never wrote to Me -“ Mit uncharakteristischer Klarheit setzt Emily Dickinson 1862 diese Verse in eines ihrer vielen stets wunderbar rätselhaften Gedichte. Ob sie diese Feststellung heute noch so zu Papier brächte? Sie ist die Meisterin und begegnet ihren männlichen Zeitgenossen auf Augenhöhe - wenn sie sich denn begegnet wären. Was die Publikationspraxis anbelangte, so gab es große Hürden - die Öffentlichkeit erreichte eine Schriftstellerin oft gar nicht oder nur strategisch ausgebufft, da musste man Abenteurerin sein, wie Sophie Mereau oder Amatine Dupin alias George Sand. Das Leben ein geladenes Gewehr: „My Life had stood - a Loaded Gun - / In Corners ...“ Ein anziehendes, gefährliches Bild, das Emily Dickinson für sich entwirft, für sich als Frau, vor allem aber als Dichterin, die ihre Ladung zu Lebzeiten nicht in die Welt hinausfeuerte. Aber geschrieben hat sie, unentwegt, und Munition hatte sie auch genug. Flinte und schöne Jägerin zugleich, eine Kammerjägerin könnte man sagen: Emily Dickinson hinterließ fast 1800 Gedichte in den Schubladen ihrer Kommode, eine Handvoll Menschen hatte zuvor eine Handvoll Gedichte zu sehen bekommen - zehn sind zu Lebzeiten erschienen, ansonsten wurden sie als zur Veröffentlichung ungeeignet erachtet.

Ja, Übung macht die Meisterin. Und üben konnten die Frauen ausführlich. Das nötige Instrumentarium war denkbar einfach zu beschaffen und kostete so gut wie nichts, es lag griffbereit und wurde ohnehin tagtäglich benutzt, um das Wirtschaften zu dokumentieren, Buch zu führen - oder, ganz wichtig, um Briefe zu schreiben. Papier, Feder, Tinte - mehr brauchte man nicht. Literatur war deswegen allerdings keine harmlose Hausfrauenangelegenheit, auch wenn sie in der Abgeschiedenheit der Heimstatt entstand. „If I feel physically as if the top of my head was taken off, I know that is poetry“, schreibt Emily Dickinson. Unblutig geht’s hier nicht ab. Man weiß um die Wirkung der Worte. Und beschriebene Blätter waren schnell beiseitegelegt, sie waren gut zu verstecken. Man konnte unauffällig oder gänzlich unentdeckt dem schöpferischen Tun nachgehen. Schreiben ist schließlich lautlos, geruchlos, wenig raumgreifend ... ein frisches Ölgemälde lässt sich nicht mal eben hinter die Anrichte schieben ... Von Vorteil war auch das eigene Zimmer, a room of one’s own, aber selbst das war nicht zwingend notwendig.

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