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Fragen an acht Künstlerinnen : Frauen, wie wollen wir leben?

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Erfreulicherweise hat sich das in den vergangenen Jahren positiv verändert: Fast die Hälfte der deutschen Museen und ein Drittel der deutschen Galerien werden von Frauen geführt. Woran liegt das? Zum einen natürlich an den Frauen, deren Stärke und Können sich durchgesetzt haben. Zum anderen haben es ihnen die Strukturen des Kunstmarktes leichter gemacht als in anderen Wirtschaftszweigen. Denn hier hat das Vorurteilsfreie, das Offene Tradition, es liegt in der Natur der Sache und wird von der Kunst als Objekt der Auseinandersetzung eingefordert. So gibt es heute im Kunstmarkt nicht nur verhältnismäßig viele Frauen, sondern auch viele Paare, die gemeinsam Galerien leiten. In der traditionellen Wirtschaft mit den engeren Strukturen würde auch das kaum akzeptiert werden.

Ich selbst habe in beiden Welten gearbeitet. Zunächst zehn Jahre im Internet und in Banken, nun seit sechs Jahren im Kunstbereich - gemeinsam mit meinem Mann. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass der Unterschied gewaltig ist und die Kunst sehr viel mehr Raum für individuelle Lebens- und Arbeitsmodelle lässt. Dies hat es mir erleichtert, nicht nur eine Firma zu führen, sondern dies auch mit der Erziehung zweier kleiner Kinder zu verbinden. Allerdings sollte diese strukturelle Offenheit des Kunstmarktes nicht darüber hinwegtäuschen, dass es ein sehr schneller, sehr wettbewerbsorientierter und globaler Markt ist, dem man sich auch als Frau stellen muss, inklusive der vielen Reisen zu Kunstmessen, Auktionen und Eröffnungen - auch dann, wenn die Kinder unter Umständen anderes fordern. Ich selbst habe diesen Spagat hinbekommen, weil ich einen Mann habe, mit dem ich mir nicht nur die Verantwortung für unsere Firma, sondern auch die für die Kinder teile.

Für Künstlerinnen ist der Nachholbedarf größer. Nach wie vor gibt es geschlechtsspezifische Ausstellungen, wie etwa „Die Frauen des Bauhauses“ oder „Künstlerinnen der Avantgarde“, die für mich das deutlichste Signal sind, dass bei der Beurteilung von Künstlerinnen oft noch die Frage des Geschlechts mitschwingt. Aber auch hier bin ich zuversichtlich und vertraue der Qualität der jeweiligen künstlerischen Positionen. Und ich bin sicher, dass die vielen, auch mächtigen Frauen in den Museen und Galerien sich dafür einsetzen werden, dass sich diese Sichtweise durchsetzen wird.

Leitet das „Kunst-Werke Institute for contemporary art“ in Berlin: die Kunsthistorikerin Gabriele Horn

Konfrontation ist notwendig

Gabriele Horn, warum leiten so wenig Frauen große, internationale Kunstinstitutionen?

Auch wenn sich in den vergangenen Jahren positive Entwicklungen abzeichnen, haben sich - trotz scheinbarer Emanzipationsfreundlichkeit des Kunstbetriebs - patriarchalische Strukturen in den großen Kunstinstitutionen gut gehalten. Die Dominanz von Männern in den Führungspositionen der Institutionen rührt daher, dass Findungskommissionen in der Vergangenheit selten wirklich divers besetzt waren. Sie förderten bereits das „Old Boy’s Network“. Anders gestaltet es sich in der Kunstvermittlung, im kuratorischen Bereich oder im Kunstmarkt - hier scheinen die klischeehaft weiblichen Tugenden wie Kommunikationsfähigkeit, Lösungsorientiertheit und soziale Kompetenz zu überzeugen. Auch wenn die Neubesetzungen der vergangenen Jahre wirklich Hoffnung für die deutsche Museumslandschaft aufkommen lassen - mit Hoffnung allein ist es nicht getan.

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