https://www.faz.net/-gqz-75t8v

Fragen an acht Künstlerinnen : Frauen, wie wollen wir leben?

  • Aktualisiert am

Die Frage, ob jemand Feministin ist, sein kann oder sein will, stellt sich in jedem Beruf und Bereich. Ich werde oft gefragt, ob ich eine feministische Künstlerin bin, und ich habe verschiedene Antworten, je nachdem, wer mich fragt, obwohl ich nicht glaube, dass es feministische Kunst als solche gibt. Wenn ein netter Mensch mich fragt, sage ich nein, weil ich es zu egozentrisch finde, dauernd auf die Rechte der eigenen Gruppe zu pochen. Wenn ein doofer Mensch mich fragt, sage ich, ja, ich bin Feministin, weil ich ihm die Freude nicht lassen will, sich hämisch darüber zu amüsieren, dass die Befreiten sich von den Befreiern lossagen und sich gegen sie stellen. Der Feminismus hat in vielen Gebieten der Welt schon enorm geholfen, die Diskriminierungen in der Lebensplanung zu entfernen. Ich hätte ohne das Vorkämpfen der Feministen vieles nicht machen können, ich könnte wohl nicht auf ein arbeitsames Künstlerleben zurückblicken und würde nicht um meine Meinung gefragt.

Aber wenn die Befreiten einen großen Teil der Rechte erhalten haben, müssen sie auch mal bremsen. Das würde ich aber nur Menschen mit einem guten Charakter sagen wollen, ich meine die mit mindestens dem Willen zu einem guten Charakter. Das heißt einem größenwahnsinnigen Mann gegenüber bin ich gern Feministin, aber einer größenwahnsinnigen Frau gegenüber würde ich das verneinen. Bei den Männern gibt es Größenwahnsinnige immer noch öfter, die bemitleide, ignoriere oder meide ich. Vielen Frauen fehlt ein Hauch von Größenwahnsinn im richtigen Moment - wenn es zum Beispiel darum geht, stolz und selbstbewusst zu sein, vor allem im Beruf. Was ich ganz falsch finde, sind Frauen, die überborden und beispielsweise die Kinder einsetzen, um gegenüber Männern ihre Macht auszuspielen. Aber diesen Satz darf ein Idiot jetzt bitte nicht lesen und sich fälschlicherweise bestätigt fühlen. Vermutlich kommt der faule, unverantwortliche Typ immer noch häufiger vor als die fiese weibliche Variante.

Sie sehen, die Lage ist verzwickt, weil sich die Frage nach dem Charakters eines jeden Einzelnen stellt. Nette Menschen brauchen gar keine feministische Aufklärung mehr. Ich empfehle sogar manchen männlichen Freunden, bei ihren Frauen Grenzen zu setzen, wenn deren Anforderungen immer größer werden, wenn sie vom zärtlichen, romantischen Liebhaber über den Fels in der Brandung bis zum Sklaven alles in einem wollen. Aber wie gesagt, das sind die selteneren Fälle. Die Freundinnen, die ihr Licht unter den Scheffel stellen und Aufmunterung brauchen, kommen bedeutend häufiger vor. Die alten Klischees sitzen tief, auch bei mir. Auch ich denke immer noch an einen Mann, wenn ich frage, wer die Kamera gemacht hat. Es braucht einfach noch ein paar Generationen, bis sich die Lage normalisiert hat. Dann werden die Machos ausgestorben sein, die jungen Frauen werden selbstbewusster sein und dieselben Risiken wie die Jungs eingehen, ohne gleichzeitig arrogant zu werden.

Arbeitet als Managerin und gründete die Agentur „Fine Art Partners“: die Juristin Loretta Würtenberger

Der Kunstmarkt fördert Offenheit

Loretta Würtenberger, grundsätzlich ist der Frauenanteil in der Kultur- und Kreativwirtschaft vergleichsweise hoch. Vor allem auf dem Sektor Kunstmarkt, der auch die Kunstproduktion mit einschließt, sind Frauen überdurchschnittlich vertreten. In kulturellen Spitzenämtern sowie in den vordersten Positionen von Kunst-Rankings sind Frauen jedoch nach wie vor eher selten zu finden. Warum?

Weitere Themen

Die Lunge im Kirchenfenster Video-Seite öffnen

Göttlicher Odem : Die Lunge im Kirchenfenster

Ein katholisches Gotteshaus in München brauchte neue Glasfenster. Zum Zug kam ein Künstler, der ein Stück Medizinalltag in ein Symbol für Leben und Vergänglichkeit verwandelte.

Topmeldungen

Kurdisches Fahnenmeer: Demonstranten am Samstag in Köln

Türken-Kurden-Konflikt : Kurz vor der Explosion

Der Krieg in Nordsyrien führt auch in Deutschland zu handfesten Auseinandersetzungen zwischen türkischen und kurdischen Migranten. Das könnte erst der Anfang sein.
Die Eingangshalle des Kammergerichtes Berlin.

Emotet : Wie ein Trojaner das höchste Gericht Berlins lahmlegte

Seit drei Wochen hat das Berliner Kammergericht keinen Internetzugriff mehr. Grund ist ein Angriff mit Schadsoftware. Auf den ersten Blick scheinen die Folgen beherrschbar – doch die echte Gefahr könnte woanders lauern.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.