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Fragen an acht Künstlerinnen : Frauen, wie wollen wir leben?

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Und da wäre die Lobby: Die entscheidenden Personen in der Musikindustrie sind meist männlich: die Presse-, Radio- und Fernsehredaktionen, die Konzertindustrie mit den Club- und Festivalbookern, die Labelmacher. Und das heißt, dass Frauen in der Musikbranche nach wie vor als Außenseiter gehandelt werden; es sei denn, sie sind die Sängerinnen und sexy Vorzeigefrauen in einer Band - doch als Produzentinnen tauchen sie kaum auf. Die natürliche Kumpelei in der Szene schließt Frauen schnell aus.

Ein anderer wichtiger Punkt sind Kinder: Das Kinderkriegen passt nicht gut in die Welt der Nacht, der Tourneen und Plattenaufnahmen. Sogar bei offiziellen Tourförderungen werden zum Beispiel Babysitter - die bei einer Tour mit Baby absolut notwendig sind - nicht anerkannt. Nur Techniker werden als Kostenblock berücksichtigt. Das zeigt, dass das System einfach nicht auf tourende Mütter eingestellt ist, weshalb sich oft die Frage stellt: Musikerkarriere oder Kind. Glücklicherweise gibt es heute aber ein paar sehr gute Beispiele für das Gegenteil: Kim Gordon (Sonic Youth) tourte jahrelang mit Kind (allerdings mit Unterstützung des Mannes in der Band), Antye Greie (AGF), Masha Qrella, Barbara Morgenstern, Cobra Killer.

Als Anregung schaue man sich die Künstler auf den hiesigen Festivals an oder die Releases der Labels: Die Frauenquote ist erschütternd gering. Das ist ein Skandal, wo doch die Popkultur ein so wichtiger Bestandteil des heutigen Lebens ist.

Meine Maxime lautet: Ich tue, als wäre es nicht so. Ich bewege mich ganz selbstverständlich in der Welt der Popkultur und lasse mich nicht beirren. Die mir eigene Ignoranz mag da hilfreich sein.

Mit meinem Label veröffentliche ich zum großen Teil weibliche Produzentinnen, aber auch männliche. Ich drehe die herrschenden Verhältnisse einfach um. Ich habe selbst auch Festivals kuratiert und selbstverständlich auch weibliche Künstlerinnen gebucht. Bei mir ist es eher ein eigenes Interesse. Mich inspirieren und interessieren weibliche Acts und Musik von Frauen. Ich empfinde dies gewissermaßen als direkte Anregung und Konkurrenz - im guten Sinne. Deshalb wünsche ich mir mehr davon. Ein ganz ureigenes Interesse.

Letzte Woche hörte ich auf eine Anfrage bei einem befreundeten Label: „Nach Besprechung mit Vertrieb und so weiter ist Folgendes klar: Musik mit Frauengesang können wir nicht verkaufen.“ Oje. Wenn alle es so sehen ... Mehr denn je habe ich das Gefühl, dass Musik von Frauen auf verlorenem Posten ist. Gerade weil die Industrie so schwächelt und jeder ums Überleben kämpft, setzen die Labels auf das, was sie immer verkaufen konnten: Männermukke. Glücklicherweise gibt es immer wieder Überraschungen.

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