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Fragen an acht Künstlerinnen : Frauen, wie wollen wir leben?

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Es gibt immer mehr etablierte und anerkannte Architektinnen, was nicht heißt, dass es einfach für sie wäre. Manche der Schwierigkeiten erscheinen völlig unbegreiflich: Frauen haben es in diesem Berufsfeld immer noch schwer, weil es Bereiche, Welten gibt, zu denen sie keinen Zugang haben. In den vergangenen fünfzehn Jahren hat es allerdings gewaltige Veränderungen gegeben; mittlerweile wird es als normal angesehen, dass Frauen in diesem Beruf arbeiten. Ich glaube, von dem alten Klischee, dass eine Architektenkarriere eher etwas für Männer als für Frauen sein sollte, ist nicht mehr viel übrig. Fünfzig Prozent der Erstsemester im Architekturstudium sind Frauen. Sie scheinen diesen Karriereweg also keineswegs als inkompatibel mit ihrem Geschlecht zu empfinden. Und in unserem Architektenbüro gibt es diese stereotypen Geschlechterkategorien einfach gar nicht.

Wenn Kunst oder Architektur wahrhaft avantgardistisch ist, richtet sie sich nicht nach der Mode oder nach den Kreisläufen der Wirtschaft. Sie richtet sich nach einer der Innovation innewohnenden Dynamik, die von sozialen und technologischen Entwicklungen bestimmt wird. Oder wie es Mies van der Rohe gesagt hat: „Architektur ist der Wille einer Epoche, zu leben, etwas zu verändern, zu erneuern.“ Auch heutzutage steht die Gesellschaft keineswegs still - und ihre Kunst muss, ihre Gebäude müssen neue Lebensentwürfe, neue Muster, reflektieren. Architektur kann Kultur nicht erschaffen, genauso wenig wie Wissenschaft, Wirtschaft, Politik, ja sogar die Kunst es können. Aber Architektur ist ein lebendiger und unentbehrlicher Teil von Kultur, ebenso wie Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Kunst. Ich finde nicht, dass es so etwas wie ein spezifisch weibliches Kunstschaffen geben sollte. Das Gleiche gilt meiner Meinung nach für die Architektur. Ich glaube nicht, dass es in meiner Arbeit um mein Geschlecht geht, es geht noch nicht einmal um meine Persönlichkeit. Meine Arbeit ist das Ergebnis so vieler verschiedener Einflüsse, so vieler Dinge, die ich erlebt, und Erfahrungen, die ich gemacht habe.

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