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Menschenschmuggel-Forschung : Was weiß der Stammtisch schon von Fluchthelfern?

  • -Aktualisiert am

Weiter, immer weiter: Zurückgelassene Schuhe auf einer Schmugglerroute im ägyptischen Grenzgebiet zu Libyen und Sudan Bild: Picture-Alliance

Für die Politik gilt der Menschenschmuggel im Mittelmeerraum als zentrales Problem der Flüchtlingskrise. Doch die Forschungen zum Thema passen ihr nicht ins Konzept.

          Dass sich viele Forscher mit Flucht, Migration und Immigration beschäftigen, ist spätestens seit der Verschärfung der Flüchtlingskrise im Sommer 2015 bekannt. Von Wissenschaftlern, die sich mit Flüchtlingsschmuggel beschäftigen, hört man hingegen erstaunlich wenig. Die Gründe sind vielfältig. Allen voran: Über Menschenschmuggel wird in Europa noch wenig geforscht. Olaf Kleist vom Institut für Migrationsforschung der Universität Osnabrück sieht eine Ursache in der Ausrichtung der Forschung selbst. Die habe sich in den letzten Jahren vor allem mit Fragen der Integration beschäftigt. „Der Schmuggel“, so Kleist, „wurde als kleiner Teilbereich gesehen, der nicht besonders relevant war.“

          Die Datenlage ist ein Hemmschuh. Zuverlässige Informationen über Schmuggler sind rar und lassen sich nur schwer beschaffen, so Theodore Baird, der an der Freien Universität Amsterdam zur Thematik arbeitet. Wissenschaftler müssten sich so unter anderem auf die Angaben von Behörden wie Frontex verlassen, die oft ihre eigene Agenda hätten und deshalb mit Vorsicht zu genießen seien. Die dringend nötige Feldforschung hingegen ist aufwendig und teuer. Heidrun Friese, Professorin für interkulturelle Kommunikation an der TU Chemnitz, sieht darin eines der größten Probleme. Ihrer Erfahrung nach gibt es nur wenige Wissenschaftler, die sich das Phänomen vor Ort ansähen. Um Schmuggel zu verstehen, sei aber gerade dies unerlässlich.

          Ein Missverständnis, das die Debatte kompliziert macht

          Dass es schwer ist, gesicherte Erkenntnisse zu erlangen, kann auch Denise Efionayi von der Université de Neuchâtel bestätigen. „Die verdeckte Arbeit bei den Schmugglern können die meisten Forscher nicht leisten“, weiß sie. Schmuggel findet in einem Umfeld statt, das naturgemäß wenig Interesse daran hat, erforscht zu werden. Das, was man weiß, bildet oft einen starken Kontrast zum vorherrschenden Bild vom Flüchtlingsschmuggel. Das beginnt schon beim Begriffsdurcheinander - Schlepper, Schleuser, Fluchthelfer, Schmuggler. Dabei existieren klare Unterschiede. Menschen, die anderen aus humanitären Gründen bei der Flucht helfen, sind Fluchthelfer. „Schlepper“ und „Schleuser“ hingegen, so Olaf Kleist, seien negativ konnotierte Begriffe, die vor allem in der Politik benutzt würden, um die Illegalität der Aktivität zu betonen.

          Das Recht und die Wissenschaft wiederum sprechen von „Menschenschmugglern“. Ein weiteres Missverständnis, das die Debatte verzerrt, ist die Abgrenzung zum Menschenhandel. Erst in der im Jahr 2000 von den Vereinten Nationen verabschiedeten „Palermo-Konvention“ wurde Menschen- oder Migrantenschmuggel rechtlich von Menschenhandel unterschieden: Menschenhandel impliziert Opfer, Menschenschmuggel tut dies nicht. Dennoch wird beides oft in einen Topf geworfen. Alle Migranten würden als Ware transportiert und ausgebeutet, so die Behauptung. Empirische Beweise gibt es für diese These wenige, verschiedene Grade der Ausbeutung werden ignoriert. Trotzdem ist die Theorie weiterhin prominent, da sie komplexe reale Vorgänge leichter nachvollziehbar macht.

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