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Klimawandel : Prima Klima ohne Demokratie

  • -Aktualisiert am

Auf schmelzendem Eis: Eisbären im Gebiet der Nordwest-Passage in Kanada Bild: dpa

Unter den Klimaforschern gibt es immer mehr Kritiker der Demokratie. Nur autokratische Regierungen könnten die Katastrophe noch abwenden, glauben sie. Es geht aber auch anders – man muss nur wollen. Ein Gastbeitrag.

          Kalamitäten wie eine Völkerwanderung, ein Börsencrash, ein Wetterextrem oder das Platzen einer Spekulationsblase treffen demokratische Gesellschaften fast immer überraschend. Der Klimawandel ist dagegen keine Kalamität, kann aber zu einem politischen Unheil werden. Deshalb ist der Klimawandel auch nicht primär als Umwelt- oder Wirtschaftsproblem zu verstehen, sondern als Frage der politischen Regierbarkeit moderner Gesellschaften.

          Gefahren für die Demokratie gibt es viele in der heutigen Zeit. Nicht die geringste ist das weitverbreitete Gefühl, bei der politischen Klasse kein Gehör zu finden. Diese Unzufriedenheit reicht von der Tea-Party-Bewegung in den Vereinigten Staaten über Ukip in Großbritannien und die Pegida-Demonstranten in Deutschland bis zum Front National in Frankreich.

          Auch die Wissenschaft erlebt heute einen Meinungsumschwung. Unter Klimaforschern, in der Klimapolitik und in den Medien lässt sich eine wachsende Ungeduld mit den Tugenden der Demokratie angesichts der robusten Erkenntnisse über die globale Erwärmung ausmachen. Die dringlichen Verweise auf die außergewöhnlichen Umstände unserer gegenwärtigen ökologischen Situation bleiben politisch und gesellschaftlich anscheinend weitgehend ohne angemessene Vorsorgemaßnahmen. Dabei wird jedoch nicht mehr nur der tiefe Graben zwischen Erkenntnis und politischem Handeln beklagt, sondern zunehmend eine lästige, weil ineffektive Demokratie als Schuldige des Nichthandelns ausgemacht.

          Langsame Demokratien

          Führende naturwissenschaftlich orientierte Klimaforscher betonen zu Recht, dass die Menschheit an einem historischen Scheideweg steht. Sollten wir ökonomisch und politisch weitermachen wie bisher, führe unser Weg unausweichlich in die Katastrophe, die das Überleben der Menschheit gefährde. Um eine global tragfähige Lebensweise zu realisieren, brauchten wir umgehend eine „große Transformation“, wie etwa Hans Joachim Schellnhuber vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung fordert.

          Was genau damit gemeint ist, bleibt oft vage. Bestandteil, wenn nicht sogar Herzstück dieser großen Transformation, ist in den Augen mancher Klimaforscher - und anderer Wissenschaftler, die sich an der Diskussion beteiligen - ein anderes Politikregime: „Wir benötigen eine autoritäre Regierungsform, um den Konsens der Wissenschaft zu Treibhausgasemissionen zu implementieren“, betonen die Australier David Shearman und Joseph Wayne Smith in ihrem Buch „The Climate Change Challenge and the Failure of Democracy“.

          Der amerikanische Klimaforscher James Hansen fügt ebenso ernüchtert wie ungenau hinzu, dass beim Klimawandel der demokratische Prozess nicht funktioniere. Und in seinem Buch „The Vanishing Face of Gaia“ fordert James Lovelook sogar, die Demokratie aufzugeben, um den Herausforderungen des Klimawandels gerecht zu werden; wir befänden uns in einer Art Kriegszustand. Der englische Historiker Eric Hobsbawm bezweifelte, dass Demokratien angesichts ihrer Langsamkeit und mangelnden politischen Reichweite in der Lage seien, Herausforderungen wie dem Klimawandel zu begegnen.

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