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Folter bei der CIA : Der Sieg der Terroristen

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Eine Aufnahme aus Guantánamo Bay: „Der Lügner lügt eben etwas länger, der Unschuldige fängt an zu lügen, damit die Schmerzen aufhören.“ Bild: dpa

„Wir sind genau solche Schweine geworden wie ihr“: Glaubt wirklich wer, dass Folter den Gefolterten dazu bringt, die Wahrheit zu sagen? Über Berührungspunkte von islamistischem Terror und CIA.

          Nachdem man ihn lange und hart gefoltert hatte, legte der Gefangene am 10. März 2007 vor einem Sondergericht auf dem amerikanischen Marinestützpunkt Guantánamo Bay ein Geständnis ab. Es umfasste 31 Tatbestände. Er gab seine Beteiligung an den Attentaten vom 11. September 2001 zu, den Anschlag auf das World Trade Center von 1993 sowie Mordversuche an Jimmy Carter, Bill Clinton „und anderen ehemaligen amerikanischen Präsidenten“.

          Er gestand die Planung von Anschlägen auf Brücken, Tankstellen und Diskotheken in den Vereinigten Staaten und auf der ganzen Welt und sagte außerdem, er habe den Sears Tower in Chicago, den Panamakanal, den Flughafen Heathrow und die Börse von New York sprengen wollen. Israelische Einrichtungen weltweit wollte er plattmachen und auf Sumatra eine „Ölfirma, die dem Juden Henry Kissinger gehört“. Er wollte zwölf amerikanische Passagiermaschinen am selben Tag entführen, und den Papst hatte er auch im Visier.

          Die Ermittlungsbehörden haben zwar von all diesen Pläne keine oder nur wenige Spuren gefunden, aber wer mehr als 180 Mal unter Wasser gehalten wird, dem fallen schon Geschichten ein, um sein Leben zu retten. Khalid Scheich Mohammed galt schon seinen Genossen als ein brutaler, ja ruchloser Mörder und eben als Angeber. Doch er sagte vor dem Tribunal noch mehr: „Ich weiß, dass ihr eine Verfassung habt und Gesetze, nach denen die Folter verboten ist.

          Der Beginn der Folterdebatte

          Aber jedes Mal heißt es dann: Diese Gesetze sehen Ausnahmen vor, und du bist die Ausnahme. Pech für dich.“ Dennoch spricht er nicht als gebrochener Mann, sondern mit einem triumphierenden Unterton: „George Washington ist euer Held, unserer ist Usama Bin Ladin. Der Krieg wird niemals aufhören. Er hat seine eigene Sprache, die Sprache der Gewalt und des Todes. Wir sprechen sie, ihr sprecht sie auch.“ Sein Körper, seine Geschichte waren ihm der Beweis dafür: Die Vereinigten Staaten und ihre Alliierten, der ganze Westen ist das, was seine Feinde schon immer in ihm gesehen haben – eine Macht, die die schönen Prinzipien, auf denen sie errichtet wurde, in schlechten Zeiten verrät. Das ist der Sieg der Terroristen.

          Dabei ist die Debatte um die Folter schon mit der Entstehung staatlicher Zentralgewalt zu Beginn der Neuzeit verbunden. Am Ende seines berühmten Essays über die Folter, der den Titel „Vom Gewissen“ trägt, erzählt Montaigne folgende Geschichte ungeklärter Provenienz: Die Bewohnerin eines Dorfes beschuldigte einmal einen Soldaten, ihren Kindern den letzten Rest Brei gestohlen zu haben. Einen Beweis hatte sie nicht. Der General, der die Beschwerde entgegennahm, machte sie auf das Risiko einer falschen Beschuldigung aufmerksam und fragte sie, ob sie auch wirklich die Wahrheit sage. Die Frau blieb standhaft. Daraufhin ließ der General, den Montaigne leicht spöttisch als „großen Rechtsprecher“ vorstellt, dem Soldaten den Bauch aufschneiden. Und siehe: Er hatte den Brei der Kinder tatsächlich gegessen.

          Montaigne führt die Moral der Geschichte nicht weiter aus. Der Leser soll die Absurdität eines Verfahrens, welches in jedem Fall den Tod des Angeklagten, sei der nun schuldig oder nicht, nach sich zieht, alleine erkennen.

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