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Fliegen in Zeiten von Corona : Die Angst über den Wolken

In der Pandemie ist das Flugzeug für viele Menschen endgültig zum Angstraum geworden. Dass liegt auch an Sicherheitsvorkehrungen wie der Mund-Nasen-Bedeckung, die die Passagiere stundenlang tragen müssen. Bild: Reuters

Hepa-Filter, Desinfektionstücher, Maskenpflicht: Wer heute fliegt, fühlt sich an Bord unwohler denn je. Wie das Flugzeug endgültig zum Angstraum wurde.

          4 Min.

          Nachts ereigneten sich meist die unheimlichsten Dinge an Bord eines Flugzeuges. Ging man etwa durch die Gänge einer Boeing 747, während elftausend Meter tiefer der Atlantik ruhte, nur die weiß blinkenden Lichter der Flügelspitzen die Schwärze sekundenkurz erhellten und die Passagiere in ihren Sitzen hingen, als sei es das Normalste der Welt, wurde einem klar: Man hatte hier nichts verloren. Ein Irrtum, dass man überhaupt eingestiegen war, sich mit Hunderten Fremden in diese Röhre gezwängt und sein Schicksal freiwillig in die Hände der Technik und die von Piloten gelegt hatte, um möglichst schnell eine große Distanz zu überwinden. „Tödliche Geschwindigkeit gehört zu unserem Umgang, sogar zu unserem Komfort. Zuweilen wird sie effizient“, schrieb Ernst Jünger, der die Zeit im Flugzeug einmal als „das Zusammenwohnen zweier Tiere, aus dem das eine Nutzen zieht, ohne das andere zu schädigen“ bezeichnet hat.

          Melanie Mühl

          Redakteurin im Feuilleton.

          Denkt man an die immer engere Flugzeugbestuhlung, die einem das Gefühl von Käfighaltung vermittelt, leuchtet Jüngers Vergleich sofort ein. Die von Reinhard Mey besungene Freiheit über den Wolken war noch nie grenzenlos, sondern immer maximal begrenzt. Man könnte Jüngers Satz aber auch folgendermaßen verstehen: Dem Flugzeug sind die Passagiere egal, wobei umgekehrt seit der Corona-Pandemie mehr denn je gilt, dass dem Reisenden weder das Flugzeug noch seine Sitznachbarn mit ihren Körperausdünstungen egal sind. Jeder, der hustet, macht sich im Moment hochverdächtig. Und bei einem Langstreckenflug wird ziemlich viel gehustet. Der Köper befindet sich in einem Ausnahmezustand, er leidet unter der wüstentrockenen Luft, der Strahlung, den Viren und Bakterien, die sich trotz aller Beschwichtigungen seitens der gebeutelten Fluggesellschaften sehr wohl an Bord fühlen.

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