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Fleischkonsum und Corona : Nicht ohne mein Steak

Essen oder streicheln? Das Schicksal dieses Ferkels ist besiegelt. Bild: Picture-Alliance

Die Grillsaison erreicht ihren Höhepunkt. Der Ekel vor den Bildern aus der Fleischindustrie aber auch. Wie geht das eine mit dem anderen zusammen?

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          Für wen das Brutzeln eines Steaks zum Sound des Sommers gehört, der dürfte sich freuen über die Nachricht, dass es in mehreren Bundesländern nun wieder erlaubt ist, in öffentlichen Parks zu grillen. Diese Freude könnte allerdings spürbar getrübt werden, wenn man im Supermarkt nach eingeschweißten Schweinekoteletts greift und zugleich an hustende coronainfizierte Schlachthofmitarbeiter von Tönnies denkt. Die Angst vor kontaminiertem Fleisch ist freilich irrational, denn durch den Verzehr eines Steaks kann man sich nicht mit Sars-CoV-2 infizieren. Doch allein die Vorstellung von Schlachtbetrieben, in denen sich virenbelastete Aerosolwolken türmen, genügt, damit einem der Appetit auf Bratwürste vergeht.

          Melanie Mühl

          Redakteurin im Feuilleton.

          Ekel ist ein überwältigender Affekt, der Fluchtreflexe auslöst. Man hält sich die Nase zu, wenn es nach Erbrochenem stinkt, verlässt jede öffentliche Toilette sofort, falls der vorherige Benutzer die Spültaste nicht gedrückt hat, und entsorgt angewidert schimmelige Lebensmittel aus dem Kühlschrank. Fernab kultureller Ausdifferenzierung und kulinarischer Vorlieben beziehungsweise Abneigungen erfüllt Ekel eine wichtige Funktion: Er warnt uns vor potentiellen Krankheitserregern. Selbst im Nachhinein können einen Ekelgefühle heftig schütteln, sollte man etwa erfahren, dass man soeben nicht Bœuf Bourguignon, sondern Golden Retriever Bourguignon verzehrt hat.

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