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Neue Berliner Hochschule : Filzakademie

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Umstritten: der vorläufige Gründungsdirektor der neuen Bauakademie, Florian Pronold (SPD) Bild: dpa

Die geplante neue Bauakademie in Berlin hat medial einen denkbar schlechten Start hingelegt. Die Notwendigkeit der Hochschule war schon umstritten – jetzt sorgt die kontroverse Ernennung ihres Direktors für Proteste.

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          Braucht Berlin eine Bauakademie, wo doch die Architektenausbildung seit mehr als hundertvierzig Jahren an der Technischen Universität in Charlottenburg stattfindet? Denjenigen, die das Projekt zunächst vorantrieben, ging es vor allem um die Wiederauferstehung des berühmten Schinkel-Baus, in den die Bauakademie 1836 einzog und der 1945 ausbrannte.

          Man kann aber durchaus auch inhaltlich argumentieren, dass das Land einen Ort brauche, an dem die drängenden Fragen des Bauens öffentlichkeitswirksam diskutiert werden: Auf welchen Plätzen, in welchen Häusern, wollen wir zusammenleben? Wie kann Wohnraum in Zukunft schneller, billiger und schöner geschaffen werden? Ist die Smart City die Lösung – oder vor allem eine Gelegenheit, unter dem Banner von Sicherheit, Komfort und Ökologie bürgerliche Freiheiten einzuschränken? Wo findet, wenn in Häusern über Siri und Alexa alles mitgehört wird, Privatheit einen Raum? Warum lässt Berlin seine Digitalstrategie von Ernst& Young entwickeln?

          All das sind Fragen, die nicht nur in akademischen Kreisen, sondern sichtbarer, in einer viel breiteren Öffentlichkeit verhandelt werden müssen, um politische Relevanz zu bekommen. Eine neue Bauakademie könnte der Ort dafür sein, doch schon das Besetzungsverfahren für den Posten des Gründungsdirektors geriet zu einem Bilderbuchbeispiel für Hinterzimmerpolitik und Intransparenz: Mit der Kandidatenfindung wurde eine Agentur beauftragt, die keine Ahnung von Baukultur hat, eine Jury, in der Politik und Verwaltung überrepräsentiert waren, kam zu der Ansicht, der beste Kandidat sei der SPD-Politiker Florian Pronold – ein Parteigenosse des in der Jury vertretenen Johannes Kahrs. Pronold war zwar einmal Staatssekretär im Bundesbauministerium und für den Wiederaufbau engagiert, hat aber im Gegensatz zu anderen Kandidaten weder die in der Ausschreibung erwünschte Publikationsliste noch die akademischen Qualifikationen vorzuweisen.

          Hunderte von Architekten und Kuratoren protestierten in einem offenen Brief gegen die Berufung, zwei Mitbewerber reichten Konkurrentenschutzklage ein. Jetzt bestätigte das Gericht einem der Kläger, dass das Auswahlverfahren nicht ordnungsgemäß durchgeführt worden sei; die Stelle dürfe daher vorläufig nicht besetzt werden. Dagegen kann Berufung eingelegt werden, nach Ansicht der Verteidigung besteht sogar die Möglichkeit, Pronold kommissarisch ins Amt zu setzen. Für den Ruf der Bauakademie wäre das jedoch verheerend; sie wäre dann von Beginn an ein Denkmal jener Form hemdsärmeliger Interessenpolitik, deren gesellschaftliche und städtebauliche Folgen sie unter anderem analysieren und verhindern soll. Wenn man den Ruf der Bauakademie nicht schon aufgeben will, bevor sie überhaupt wiederkommt, wird man um eine diesmal transparentere Neuausschreibung und um eine Fachjury, die den Namen verdient, nicht herumkommen.

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          Niklas Maak

          Redakteur im Feuilleton.

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