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Comic-Festival von Angoulême : Der „Prix Charlie Hebdo“ wird für Preisträger zu gefährlich

Im Januar zeigten Comic-Künstler wie Jean Christophe Menu beim Comic-Festival in Angoulême ihre Solidarität mit „Charlie Hebdo“. Bild: Picture-Alliance

Als beste Reaktion auf die Pariser Anschläge vom Januar hatte das Comic-Festival von Angoulême einen „Prix Charlie Hebdo“ für die Meinungsfreiheit ins Leben gerufen. Und nach den Anschlägen vom November die Auszeichnung fürs Erste wieder abgesagt.

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          Ende Januar findet das Comic-Festival von Angoulême statt. Es ist über die Jahre hinweg immer wichtiger geworden und einer Gattung gewidmet, die man als französisches Genre par excellence bezeichnen darf. Inzwischen wurde Angoulême vom französischen Außenminister Laurent Fabius in die neu geschaffene „Grand Tour“ aufgenommen – eine Reihe von Festivals, die zum internationalen Renommee des Landes ihren Beitrag leisten und eine besondere Beachtung verdienen. Frankreich ist die beliebteste Tourismus-Destination der Welt, die Besucher kommen wegen seiner Kultur – im weitesten Sinne, die kulinarische Tradition gehört durchaus dazu. Auch rund um Angoulême.

          Jürg Altwegg

          Freier Autor im Feuilleton.

          Als Etappe der „Grand Tour“ spielt die Kleinstadt in der Provinz nun in der gleichen Liga wie Avignon – dessen Theaterfestival in Japan wohl weniger bekannt ist als „la bande dessinée“ – und Cannes. Im vergangenen Jahr war sogar über eine Absetzung oder Verschiebung nachgedacht worden: Drei Wochen vor der Eröffnung erschütterten die Attentate auf die Redaktion der Satirezeitschrift „Charlie Hebdo“ und den jüdischen Supermarkt in Paris die Welt. Veranstaltungen, die von Islamisten in irgendeiner Weise als „Provokation“ verstanden werden konnten, sehen sich bedroht. Filme wurden aus dem Programm genommen, Ausstellungen zensuriert, Theateraufführungen verschoben. Auch das für den vergangenen Herbst geplante Karikaturisten-Treffen im Weltkriegsmemorial von Caen wurde vorübergehend abgesagt: Ausländische Zeichner hatten ihre Besorgnis geäußert.

          Ein Preis für Zensoren?

          Doch allmählich regte sich Widerstand - vor allem auch aus den Reihen der überlebenden Mitarbeiter von „Charlie Hebdo“. Das Festival der Zeichner, Satiriker und Karikaturisten von Angoulême ging unter verstärktem Polizeischutz, aber ohne Zwischenfälle über die Bühne. Als beste Reaktion auf die Anschläge hatte man einen „Prix Charlie Hebdo“ für die Meinungsfreiheit ins Leben gerufen. Jedes Jahr sollte er fortan verliehen werden. Doch nach den Attentaten in Paris vom 13. November ist die Preisvergabe bereits wieder abgesagt worden. Das gelte zumindest für 2016. Für die Jahre danach müsse man sich ein neues Konzept ausdenken.

          Es sollte darum gehen, die Bedrohung der Meinungsfreiheit zu benennen, ohne ihre Opfer zu glorifizieren, sagt Franck Boudoux, der Sprecher des „Prix Charlie Hebdo“. Ist das ein Preis für Zensoren? Ein zentraler Aspekt war bei der Begründung des Preises tatsächlich nicht beachtet worden – man erkannte das Problem erst, als die Jury zu überlegen begann, wer im kommenden Januar mit dem „Prix Charlie Hebdo“ gewürdigt werden soll. Die neuerlichen Anschläge in Paris haben die Terrorangst verstärkt. Man wolle keine Preisträger auswählen, die unweigerlich zur Zielscheibe der Dschihadisten auf der Jagd nach symbolischen Trophäen würden, begründet Boudoux die Entscheidung, den Preis zumindest vorerst auszusetzen. Das Risiko hatte bei der Premiere der Auszeichnung – makabrerweise – nicht mehr bestanden: Die Preisträger, die im vergangenen Jahr gewürdigt wurden, die Redakteure und Zeichner von „Charlie Hebdo“, hatten ihr Eintreten für die Meinungsfreiheit schon mit dem Leben bezahlt. Und der Terror der islamistischen Mörder wirkt nach.

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