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Fernsehen : Anne Will wehrt sich gegen Vorwürfe

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Unausgewogen? Anne Will am Sonntag mit Klaus Wowereit und Oskar Lafontaine Bild: NDR/Wolfgang Borrs

Der Berliner CDU-Politiker Friedbert Pflüger hat der ARD-Talkerin Anne Will und ihrer Redaktion „Un- und Halbwahrheiten und bewusste Verzerrung von Sachverhalten“ vorgeworfen und die Absetzung der Sendung gefordert. Wills Redaktion weist die Vorwürfe zurück.

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          Die ARD-Talkmasterin Anne Will hat sich gegen heftige Kritik des CDU-Fraktionsvorsitzenden im Berliner Abgeordnetenhaus, Friedbert Pflüger, verteidigt.

          Pflüger hatte über die „Bild“-Zeitung erklärt, Wills Sendung zeichne sich „immer mehr durch Un- und Halbwahrheiten und bewusste Verzerrung von Sachverhalten aus“, und ihren Rücktritt gefordert. Pflüger, der im Rundfunkrat des Rundfunks Berlin-Brandenburg sitzt, forderte Pflüger, Wills Sendung durchs Frank Plasbergs „Hart aber fair“ zu ersetzen.

          Den von Pflüger nach der jüngsten Sendung, in der unter anderem Oskar Lafontaine zu Gast war, erhobenen Vorwurf weist Anne Wills Sprecherin mit dem Argument zurück, neben dem Bayerischen Ministerpräsidenten Beckstein (CSU) und dem Unternehmer und Lafontaine-Kritiker Wendelin von Boch-Galhau sei mit Eva-Maria Neumann ein Opfer des DDR-Regimes zu Gast gewesen, die die Partei Die Linke hart kritisiert habe. Außerdem habe sich einer der Einspielfilme explizit kritisch mit den Folgen des rot-roten Sparkurses für Berliner Familien auseinandergesetzt.

          Friedbert Pflüger: „Bewusste Verzerrung von Sachverhalten”

          „Die Fakten widerlegen Frau Will“

          Ebenfalls empört gezeigt hatte sich Pflüger über die Anmoderation der Sendung vom vergangenen Sonntag. Anne Will hatte erklärt: „Dass man mit der Linkspartei erfolgreich Politik machen kann, das weiß der Chef der einzigen rot-roten Koalition in Deutschland, der Regierende Bürgermeister von Berlin, Klaus Wowereit.“

          In dem darauf folgenden Einspiel-Film hieß es, die rot-rote Koalition in Berlin habe 2001 von der Großen Koalition in Berlin 60 Milliarden Euro Schulden „geerbt“ und Berlin „auf die Erfolgsspur“ geführt. Pflüger sagte dazu: „Die Fakten widerlegen Frau Will. Die Verschuldung Berlins ist von 38,5 Milliarden Euro im Jahr 2001 auf 61 Milliarden Euro zum heutigen Zeitpunkt angestiegen.“

          Aus der Redaktion von Anne Will heißt es dazu: „Wir haben im zitierten Beitrag nicht behauptet, dass der Schuldenstand im Jahr 2001 rund 60 Milliarden Euro betragen hat. In der Tat hatte Berlin zu diesem Zeitpunkt Schulden in Höhe von rund 38 Milliarden Euro. Mit dem Wort 'erben' beziehen wir uns aber auf die gesamten finanziellen 'Altlasten' (als Folge beispielsweise der Bankenkrise), die die Vorgängerregierung dem neuen rot-roten Senat überließ, und nicht auf den Schuldenstand am Tag des Regierungswechsels. Richtig ist außerdem, dass unter der rot-roten Koalition in Berlin 2007 erstmals ein Haushalt mit einem Überschuss abgeschlossen wurde.“

          Rückendeckung bekommt Will vom ARD-Programmdirektor Günter Struve: „Die Forderung ist absurd und der Vorwurf der bewussten Verzerrung von Sachverhalten völlig unberechtigt“, so Struve. „Wir haben noch keine Sekunde an der Kompetenz von Anne Will und der inhaltlichen Ausrichtung ihrer Sendung gezweifelt.“

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