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Feministische Botschaften : Wer wegschaut, macht sich schuldig

  • -Aktualisiert am

Botschaften gibt es auch auf Deutsch: Aktivistinnen bei der Arbeit Bild: Luis Jachmann

Die Fälle von häuslicher und sexualisierte Gewalt haben in der Pandemie zugenommen. In Frankreich kleben Frauen nun Botschaften an Häuserwände, die manche Männer wütend machen.

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          Es ist kurz nach sechzehn Uhr im elften Arrondissement von Paris. Motorräder rasen um die Straßenecke. Eltern holen ihre Kinder von der Grundschule ab. Citlali und Clémentine halten Ausschau nach einer passenden Häuserwand, um eine Text-Collage anzukleben. „Normalerweise treffen wir uns, wenn es dunkel ist. Denn wir haben sonst einen Eimer und eine Bürste dabei, um in kurzer Zeit unbemerkt viele Collagen zu kleben. Das geht aber wegen der Ausgangssperre abends derzeit nicht“, sagt Citlali. Um möglichst wenig Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, improvisiert die vierundzwanzig Jahre alte Pariserin mit Schwamm und Flüssigkleber in Pet-Flaschen.

          Sie und ihre gleichaltrige Freundin Clémentine kennen sich aus dem Studium. Seit eineinhalb Jahren kleben sie mehrmals wöchentlich feministische Botschaften an Häuserwände. An einer wenig befahrenen Straße machen die jungen Frauen halt. Sie bringen Buchstabe für Buchstabe an. Nach fünf Minuten steht dort in Großbuchstaben an der Wand geschrieben: Eine Klage abzuweisen ist illegal. „Das ist nämlich ein Problem. Zu einer Anzeige kommt es in den meisten Fällen sexuellen Missbrauchs nicht“’, sagt Clémentine. Citlali nennt ein Beispiel: „Erst vor wenigen Wochen hat ein Opfer häuslicher Gewalt 22 Mal bei der Polizei angerufen. Aber die wurde nicht aktiv. Und wenige Tage später war die Frau tot.“

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