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Wachsende Bewegung : Feministinnen aller muslimischen Länder, vereinigt euch!

  • -Aktualisiert am

Feminismus in Pakistan ist höchst lebendig

All diese Gesetze zum Schutz von Frauen wurden erlassen, weil Frauen ihre Stimme gegen geschlechtsspezifische Ungerechtigkeit in der Gesellschaft erhoben und gefordert haben, diese Handlungen zu kriminalisieren. Noch vielversprechender ist, dass Frauen zunehmend an politischen Prozessen teilhaben, sowohl als Wählerinnen als auch als Kandidatinnen: 2017 stellten sie 20 Prozent aller Parlamentsmitglieder in Pakistan, verglichen mit 2,3 Prozent im Jahr 1997. Dies bedeutet, dass in Zukunft weitere frauenfreundliche Gesetze erlassen werden. Die Teilnahme von Frauen am Arbeitsmarkt wuchs von sieben Prozent 1974 auf 24,3 Prozent 2013. Auf dem Land breitet sich zudem die feministische Revolution aus, begonnen mit dem kleinen, aber einflussreichen Aurat-Marsch 2018, bei dem zum ersten Mal Frauen aus allen gesellschaftlichen Schichten durch Pakistans Großstädte zogen und ihre Rechte einforderten. Mehr junge Frauen als je zuvor nennen sich Feministinnen und schwören, für die Befreiung und Selbstbestimmung von Pakistans Frauen zu kämpfen.

Feminismus in Pakistan ist höchst lebendig. Er setzt sich für die Verbesserung der Bedingungen von muslimischen, hinduistischen und christlichen Frauen, Mädchen und Gemeinschaften ein. Die Bewegung breitet sich in ähnlicher Weise in anderen muslimischen Ländern aus und erfährt bemerkenswerte Unterstützung und Aufmerksamkeit, indem sie stets einen Weg findet, die Bedürfnisse des jeweiligen Volkes anzusprechen.

Die größte Gefahr für diese junge Bewegung ist ein patriarchalischer Gegenschlag, der stets erfolgt, wenn Frauen aufstehen und ihre Rechte einfordern. Es bedarf einer komplexen Mischung aus gesetzlichen und gesellschaftlichen Reformen und des Abbaus von feindseligen Einstellungen nicht nur dem Feminismus gegenüber, sondern allgemein gegenüber Frauen und Mädchen, damit diese Aktionen Erfolg haben. Eine wachsende feministische Bewegung kann und muss aber in muslimischen Ländern unterstützt werden: organisch wachsend und von muslimischen Frauen geleitet, abgestimmt darauf, wie man den Frauen in den jeweiligen Kulturen und Gesellschaften am besten dienen kann.

Bina Shah ist eine in Karatschi lebende pakistanische Schriftstellerin, Kolumnistin und Bloggerin. Sie wurde 1972 in Pakistan geboren, wo sie nach längeren Aufenthalten in den Vereinigten Staaten heute wieder lebt. Ihre Werke wurden in viele Sprachen übersetzt. Sie schreibt u. a. für die „New York Times“ und hat eine regelmäßige Kolumne in „Dawn“, Pakistans größter englischsprachiger Zeitung. Ihr Buch „Die Geschichte der schweigenden Frauen“ ist gerade im Golkonda-Verlag auf Deutsch erschienen.

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