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Wachsende Bewegung : Feministinnen aller muslimischen Länder, vereinigt euch!

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Nur auf einem einzigen – hochwichtigen – Gebiet muss in allen muslimischen Ländern sofort etwas passieren: Die Gewalt gegen Frauen ist eine globale Seuche. In Pakistan sind es vorwiegend Frauen auf dem Land, in den Städten die Frauen der Unter- und Mittelschicht, die unter geschlechtsspezifischer Gewalt leiden, die als Teil der Kultur akzeptiert wird. Einige Extremformen dieser Gewalt gegen Frauen, wie Ehrenmorde und Säureangriffe, wurden inzwischen von der Justiz geächtet, doch die Durchsetzung entsprechender Gesetze wird weiterhin vernachlässigt. Fast ein Drittel aller verheirateten Frauen in Pakistan berichtet von häuslicher Gewalt: Daher muss diesen kriminellen Vergehen durch Partner von den pakistanischen Behörden unbedingt mehr Aufmerksamkeit gewidmet werden.

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Leider scheiterte die Einführung eines Gesetzes gegen häusliche Gewalt 2009 in Pakistan aufgrund der Gegenreaktion des Patriarchats. Das Gesetz wurde von der Nationalversammlung gebilligt, aber im Senat aufgrund von Einwänden der religiösen Rechten abgelehnt, die es „unislamisch“ nannten. Nach vielen Änderungen ging der Gesetzentwurf an die Regionalparlamente, wo er wiederum von der religiösen Rechten niedergeschlagen wurde. Der einzige Ort, an dem das Gesetz in Kraft treten konnte, war Islamabad. Im übrigen Land bleiben Frauen rechtlich ungeschützt vor häuslicher Gewalt. Selbst wenn ein solcher Fall gemeldet wird, drängt die Polizei die Familie, die Sache privat zu regeln, anstatt offiziell Anklage zu erheben.

Pakistans schlechtes Abschneiden bei allen wichtigen Entwicklungsindikatoren, ebenso wie der zweitletzte Platz im „Global-Gender-Gap-Report“ 2017, hängen eindeutig mit dem Fehlen von Gesetzen und Regelungen zusammen, die Frauen schützen sollen. Aber Pakistan ist dabei keine Ausnahme unter den muslimischen Ländern. Einer Lancet-Studie über den schlechten Entwicklungsstand in muslimischen Ländern zufolge heißt es: „Gesetzgebung und Richtlinien, die insbesondere Frauen schützen, waren in Ländern mit muslimischer Mehrheit unzureichend, verglichen mit Ländern ohne muslimische Mehrheit, besonders im Hinblick auf häusliche Gewalt (21 Prozent im Vergleich zu 49 Prozent der Länder mit entsprechenden Richtlinien), Vergewaltigung in der Ehe (13 zu 38 Prozent), emotionalen Missbrauch (38 zu 62 Prozent) und körperliche Gewalt (42 zu 66 Prozent).“

Feministische Aktionen, die Regierungen beeinflussen können, sinnvolle frauenfreundliche Gesetze zu verabschieden und durchzusetzen, sind der Schlüssel, diesen nicht selten tödlichen Kreislauf von Gewalt zu durchbrechen. Dank der Arbeit von pakistanischen Feministinnen in den 1970er Jahren und von parlamentarischen Komitees in National- und Regionalversammlungen, die aus Frauen aller Parteien bestehen, hat Pakistan nun Gesetze, die Ehrenmorde, Zwangsehen und Yani, die Zwangsehe eines Mädchens als Strafe für ein Verbrechen, das ein männlicher Verwandter begangen hat, zu Straftaten erklären. Es gibt Gesetze gegen sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz und nationale und regionale Ombudspersonen, die für deren Durchsetzung sorgen. Ein Gesetz, das Heiratsalter für Mädchen auf 18 Jahre festzulegen, liegt dem pakistanischen Senat zur Verabschiedung vor.

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