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Wachsende Bewegung : Feministinnen aller muslimischen Länder, vereinigt euch!

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Die Gleichberechtigung der Frau entwickelt sich aufgrund wirtschaftlicher Faktoren und finanzieller Notwendigkeiten, wie im Fall der nun Auto fahrenden Frauen in Saudi-Arabien. In Pakistan werden Frauen heute als das „fehlende Glied“ bezeichnet, denn ihr Zugang zum Arbeitsmarkt sei der magische Faktor, der Pakistans Wirtschaft fördert und gleichzeitig die Ungleichheit der Frauen in der Gesellschaft aufheben kann. Aber das ist keine einfache Lösung. Es gibt vier Kategorien von weiblicher Beschäftigung auf dem Arbeitsmarkt: als Arbeitgeberinnen, selbständige Individuen und unbezahlte Haushaltskräfte und Angestellte. 2013 gab es in der pakistanischen Wirtschaft lediglich zwölf Millionen weibliche Beschäftigte. Die Mehrheit von Pakistans Frauen arbeitet unbezahlt im Haushalt, teils auch als Angestellte, oder in der Agrarwirtschaft, aber die Ehemänner verhandeln über deren Lohn und kassieren ihn auch ab. Pakistan braucht neue Gesetze, die Frauenarbeit offiziell als Arbeit bestätigen und die Rechte der Arbeitnehmerinnen fördern und schützen.

In Karatschi und Laore, den größten urbanen Zentren Pakistans, geben weibliche Verwaltungsangestellte, Geschäftsfrauen und Unternehmerinnen einem die Illusion, wie zahlreich Frauen auch als Führungskräfte präsent sind. Die meisten dieser Frauen arbeiten in Firmen und Organisationen, die überwiegend Männern gehören und von diesen geleitet werden. In Wirklichkeit sind Frauen auf dem pakistanischen Arbeitsmarkt meist unsichtbar. 78 Prozent der größten 100 Firmen haben nicht eine einzige Frau im Vorstand. Bei Konferenzen in Pakistan waren 2016 nur 14 Prozent der Redner Frauen. 20 Prozent der Landbesitzer global sind Frauen, aber in Pakistan bloße zwei Prozent.

Falls sich die Präsenz von Frauen im öffentlichen Leben verstärkt und sich an der Spitze der Wirtschaft verbessert, verändert dies auch die Lage aller pakistanischen Frauen: bei Konferenzen, auf der Straße, auf der Führungsebene, in Aufsichtsräten, in Politik und Medien. Es besteht ein unmittelbarer und dringender Bedarf an Rollenvorbildern für junge Frauen. Ausgewogenheit zwischen Männern und Frauen auf diesen Ebenen ist gut für die Wirtschaft, und daher müssen männliche Befürworter in einflussreichen Wirtschaftspositionen diese systemische Veränderung einleiten.

Langsam erst wächst das Bewusstsein

Langsam erst wächst das Bewusstsein für die Tatsache, dass es der gesamten Nation hilft, wenn eine Frau Schulbildung hat und ihren Platz in der Gesellschaft als Arbeitnehmerin mit eigenem Verdienst einnimmt. Der Gesamtwirtschaft geht es besser, wenn Frauen nicht mehr davon ausgeschlossen sind. Nationen sind sicherer, wenn Frauen sich ihrer Rechte bewusst sind. Die Auflösung und Abschaffung einer Gesellschaft, an der Frauen nicht voll und gleichberechtigt teilnehmen, nimmt den Männern auch eine große Bürde ab. Solange die Frau in Abhängigkeit bleibt – wenn man ihr nicht erlaubt, selbst zur Arbeit zu fahren, ein eigenes Bankkonto zu haben und nicht einmal lesen zu lernen –, bleibt sie infantilisiert, ein erwachsenes Kind, um das sich die Ehemänner, Brüder und Söhne zeitlebens kümmern müssen. Wenn Männer erkennen würden, dass die Förderung und Selbstbestimmung von Frauen, zu vollen Mitgliedern der Gesellschaft zu werden, auch ihr eigenes Leben besser macht, könnte die Feindseligkeit gegenüber Feminismus und Frauen abnehmen. Momentan ist aber vermutlich das überzeugendere Argument die positive Auswirkung von Frauen im Arbeitsprozess auf die pakistanische Wirtschaft. Auch so könnten wir die Purdah im Kopf abbauen – jenes internalisierte System, das einer Frau aufgrund starrer Überzeugungen über Geschlechterrollen und ihrer Stellung in der Gesellschaft alle Chancen verweigert.

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