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Wachsende Bewegung : Feministinnen aller muslimischen Länder, vereinigt euch!

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Die Purdah im Kopf

Dr. Khan schreibt: „Progressive Interpretationen des Islams garantieren Frauen substantielle Rechte. Dies muss durch verantwortliche Bildung, juristische Prozeduren und gesellschaftliche Arbeit unterstützt werden.“ Offene Feindseligkeit gegenüber dem Feminismus in muslimischen Ländern beruht auf der bewussten Fehlinterpretation durch konservative Politiker und die religiöse Rechte, dass es beim Feminismus nur um Hass auf Männer ginge, um westliche oder säkulare Werte und moralische Freizügigkeit. In Ländern wie Pakistan muss eine gewisse Rehabilitierung des Feminismus stattfinden, ehe muslimische Frauen das tückische patriarchalische System als solches erkennen, das man ihnen als den wahren Islam verkauft hat. Zu lange haben sie gelernt, diese Interpretation zu glauben und zu akzeptieren.

Das Kulturphänomen der Purdah ist in Pakistan kaum noch vorhanden, doch deren Einfluss auf die Haltung gegenüber Frauen sitzt tief. In Südasiens muslimischen Gebieten bezeichnet Purdah die Sitte, Frauen vom Rest der Gesellschaft getrennt zu halten. Das Wort purdah ist Altpersisch und wurde während der arabischen Eroberung des Iraks im siebten Jahrhundert übernommen. Nach der Ausbreitung des Islams in Nordindien wurde diese Praxis von hochstehenden Hindus ebenfalls übernommen. Heute besteht die Purdah immer noch in Pakistan, Afghanistan und in Saudi-Arabien, obwohl diese Länder, je nach Kultur oder politischer Richtung, der Praxis eine eigene Richtung geben. Purdah bedeutet wörtlich „Vorhang“. Purdah ist das „Verbergen der Frauen vor öffentlichem Angeblicktwerden durch verhüllende Kleidung (mit Schleier), in von hohen Mauern umgebenen Höfen, hinter Wandschirmen und Vorhängen im eigenen Heim“. Die Praxis hat tiefreichende religiöse Wurzeln: Es gibt im Koran einen Vers, dass Männer, wann immer sie mit den Frauen über den Propheten sprechen, Friede sei mit ihm, es hinter einem Vorhang geschehen muss. Bald schon wurde dies als ehrenvollste Lebensweise für alle frommen muslimischen Frauen betrachtet, auch wenn dies in den meisten pakistanischen und indischen arbeitenden Klassen wirtschaftlich nicht immer möglich war. Pakistaner, die die 1970er und 1980er Jahre erlebt haben, erinnern sich sicher an Chadar und Char Divari, die inoffizielle Staatsdoktrin des islamischen Diktators General Zia: Eine Frau gehöre entweder unter die Burka oder hinter die Mauern ihres Hauses. Heutzutage praktiziert die Mehrheit der Pakistaner keine Purdah mehr, aber deren Essenz ist theoretisch bei vielen verankert.

Purdah besteht weiter in den gesellschaftlichen und kulturellen Tabus und Normen und ist der bedeutendste Hinderungsfaktor für die aktive Teilnahme von Frauen an nichthäuslicher wirtschaftlicher Aktivität und die Erreichung ihres vollen Potentials. Purdah hält Mädchen davon ab, zur Schule zu gehen. Purdah verhindert die finanzielle Unabhängigkeit der Frau. Purdah verhindert, dass Frauen Arbeitsplätze bekommen, für die sie qualifiziert sind, und auch gleiche Bezahlung wie Männer. Purdah verhindert, dass Frauen in Beruf und Politik aufsteigen, und Purdah sorgt dafür, dass Fauen in Theorie und Praxis untergeordnet bleiben.

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