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Wachsende Bewegung : Feministinnen aller muslimischen Länder, vereinigt euch!

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Wo kein rechtlicher Schutz für Frauen gegen diese Art von Gewalt existiert, ist der Schleier eine imaginäre Barriere gegen Übergriffe und Besitznahme. Der dünne Schleier ist nur ein unvollkommener Ersatz für den absoluten Rechtsschutz, der eigentlich allen Frauen zusteht. Aber er dient auch als ein Passierschein für Frauen, die ohne Schleier im Haus eingesperrt bleiben würden. Der Schleier funktioniert also auf zwei Ebenen, der spirituellen und der pragmatischen. Er kann angelegt oder abgeworfen werden, je nachdem, ob eine Frau sich dafür sicher genug fühlt. Dies ist das Argument muslimischer Frauen, egal, ob der Schleier nun Pflicht ist oder nicht, tatsächlich oder bloß metaphorisch.

Das obligatorische Schleiertragen aber wird von vielen muslimischen Frauen, ob konservativ oder progressiv, abgelehnt.

Bildung, Unabhängigkeit und Partizipation

Feministinnen in muslimischen Ländern sind frustriert, wenn es in Diskussionen nur um den Schleier geht oder muslimische Frauen als Opfer ihres Glaubens dargestellt werden. Die Diskussion muss über die Besessenheit mit den „Kopftüchern und Hymen“ muslimischer Frauen hinausgehen, wie die ägyptischamerikanische feministische Autorin Mona Eltahawy es nennt. Für muslimische Frauen stehe viel mehr auf der Tagesordnung: Feminismus soll Frauen helfen, Zugang zu allen modernen Mitteln der Selbstbestimmung zu gewinnen, etwa zu Bildung, finanzieller Unabhängigkeit und politischer Partizipation.

Feministinnen in muslimischen Ländern wollen, genau wie ihre westlichen Schwestern, Frauen in Positionen sehen, in denen sie auf allen Ebenen Entscheidungen treffen können. Der westliche Kolonialismus hat das Bildungswesen und die Rechts- und Regierungssysteme der meisten muslimischen Länder stark beeinflusst. Feministinnen haben die Aufgabe, die Spannung zwischen islamischen und westlichen Regelungen und Erwartungen zu lösen, um Wege zur Befreiung der muslimischen Frau zu bahnen. Und das ist, wie man sich leicht vorstellen kann, eine sehr schwierige Aufgabe, die viel Feingefühl erfordert.

Sind Islam und Feminismus miteinander vereinbar?

Aus Sicht vieler fortschrittlicher Muslime verkörpert der Islam viele der Prinzipien, für die Feministinnen sich einsetzen: Gleichheit, Würde und Respekt. Zur Zeit seiner Entstehung galten die Rechte, die hier Frauen gegeben wurden, als revolutionär, denn keine Religion hatte ihnen dies bisher garantiert. Dr. Nyla Ali Khan, die kaschmirische Autorin von „Islam, Women, and Violence in Kashmir“, schrieb vor kurzem in einem Artikel für die pakistanische „Daily Times“: „Ich habe gelernt, dass der Islam Frauen gesellschaftliche, politische und wirtschaftliche Rechte gibt, gleich, wie unsichtbar diese Rechte in unserer Gesellschaft auch sind.“ Sie beschreibt den Islam als „eine emanzipatorische Religion, die gesellschaftliche Gleichberechtigung, ökonomische und politische Demokratisierung und die Stärkung von Minderheiten vertritt“.

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