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Wachsende Bewegung : Feministinnen aller muslimischen Länder, vereinigt euch!

  • -Aktualisiert am
Bina Shah wurde 1972 in Pakistan geboren, wo sie nach längeren Aufenthalten in den Vereinigten Staaten heute wieder lebt.
Bina Shah wurde 1972 in Pakistan geboren, wo sie nach längeren Aufenthalten in den Vereinigten Staaten heute wieder lebt. : Bild: Amean J / 18% grey

Frauen im Nahen Osten und Südasien werden von Westlern oft herablassend behandelt oder sogar bestraft, weil man nicht begreift, warum sie ihren Kopf bedecken, eine Burka oder einen Gesichtsschleier tragen. Weniger angreifbar sind die Frauen in Ländern, in denen die Regierung das Tragen der Abayas verfügt, wie in Saudi-Arabien, oder von Tschador oder Hijab wie in Iran. Hier werden die Frauen eben von chauvinistischen Regierungen unterdrückt, und damit hat es sich. Für Außenstehende gibt es eindeutig einen Täter und ein Opfer – jene Art von Dynamik, die jeder versteht. In Ländern wie Pakistan oder Afghanistan herrschen strenge kulturelle Kleidervorschriften für Frauen. Da in westlichen Ländern Frauen bereits selbstbestimmt und gleichberechtigt sind, stellt sich dort die Frage, warum eine moderne Frau dennoch eine Burka oder einen Schleier trägt, wenn sie in einem Land lebt, wo kein Gesetz ihr dies auferlegt. Paradoxerweise verstehen westliche Intellektuelle auf rationaler Ebene, was Frauen in Südasien und muslimischen Ländern instinktiv begreifen: Es geht um die Dynamik männlicher Blicke, deren Funktion, Frauen auf Sexualobjekte zu reduzieren, und wie dies Gewalt gegen Frauen auslösen und perpetuieren kann. Frauen in muslimischen Ländern gehen mit dieser männlichen Betrachtung anders um und setzen ihr mehr Widerstand entgegen als in westlichen Ländern. Sie wehren sich gegen die Unterdrückung ihrer Selbstbestimmung, indem sie Schutzmaßnahmen ergreifen; der Schleier wirkt wie eine Rüstung gegen die Gewalt männlicher Betrachtungsweise.

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Frauen in vielen konservativen muslimischen Ländern wie Pakistan und Ägypten, wo die Belästigung von Frauen auf der Straße an der Tagesordnung ist, sind fortwährend auf der Hut vor männlichen Blicken. Sich frei in der Öffentlichkeit zu bewegen, ist kein gesichertes Recht, und ihre Bewegungsfreiheit ist aufgrund von kulturellen Tabus eingeschränkt. Wenn eine Frau ihr Haus verlässt, soll dies nie zu ihrem eigenen Vergnügen geschehen: Sie bewegt sich eilig und eher huschend von A nach B. Und jede Frau, jedes Mädchen in Pakistan weiß, wie sie die Blicke von Männern abwenden kann, die an jeder Ecke stehen und sie beobachten.

Wenn einer Frau Gewalt angetan wird, heißt es, sie habe dies provoziert und damit selbst verschuldet, sei es durch ihre Kleidung oder ihr Verhalten – einfach durch alles, was die Aufmerksamkeit eines Mannes auf sie ziehen und ihn lustvoll reizen könnte. Der Anblick einer Frau bewirke, dass der Mann die Kontrolle über sein Verhalten verliere. Im schlimmsten Fall kann ein Mann sogar beschließen, die Frau zu vernichten, wenn sie sich gegen seine Übergriffe wehrt. (Dies kann in entsetzliche, geschlechtsspezifische Gewalt münden, wie im Fall der Teenagerin Tania Kashkeli, die im ländlichen Pakistan von einem Kleinbauern ermordet wurde, weil sein Heiratsantrag von ihren Eltern abgelehnt worden war.)

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