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Faschismus-Vorwurf : Ich glaube an die Ehre der Ukrainer

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Der französische Philisoph und Publizist Bernard-Henri Lévy Bild: Zimmermann, Julia

Wladimir Putin streut die Angst, dass in der Ukraine ein neuer Faschismus entstehe. Eine Frechheit: Man mag vieles gegen die Revolutionäre auf dem Majdan-Platz sagen, aber ihr Engagement verpflichtet Europa.

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          Da gibt es also ein Land, Russland, in dem die Jagd auf Homosexuelle und Menschen mit nordkaukasischen Gesichtszügen zum Nationalsport geworden ist. Da gibt es ein Land, in dem – am 20. April, dem Geburtstag Adolf Hitlers – die „Nichtslawen“ aufgefordert werden, zu Hause zu bleiben, wenn sie keine Schläge riskieren wollen. Da gibt es ein Land, in dem tausend junge Leute, die 2006 auf die Straße gingen, um dagegen zu protestieren, dass man in der Duma überlegte, jüdische Vereinigungen zu verbieten, weil man sie im Verdacht hatte, „mit dem Teufel im Bunde zu stehen“, dies nur maskiert taten, aus Angst, auf der Facebook-Seite eines Handlangers der „Weißen Patrouille“ zu landen, die ihnen den Schädel einzuschlagen gedachte.

          Und dieses Land hat nun, mit der Stimme seines Präsidenten, der Deutschland und Frankreich tadelt, die unglaubliche Frechheit zu behaupten, die ukrainische Revolution markiere die Wiederkehr des Faschismus in Europa. Man könnte darüber lachen, wenn nicht so viele Frauen und Männer mit ihrem Leben dafür bezahlt hätten, dass die Überlebenden das Recht haben, sich nicht solche Ungeheuerlichkeiten anhören zu müssen – und wenn es nicht auch bei uns zahlreiche schwache oder leichtgläubige Geister gäbe, die sich zu sagen scheinen: „Kein Rauch ohne Feuer. Sind diese Ukrainer denn wirklich makellos? Und ist der Westen in seiner Barrikadenromantik nicht vielleicht doch einer Revolution auf den Leim gegangen, die... ?“ Und so weiter und so fort.

          Die Rechten scheitern in Umfragen an der Fünfprozenthürde

          Na denn. Da darauf geantwortet werden muss, wollen wir Punkt für Punkt darauf antworten. Ja, es gibt in der Ukraine (wie überall in Europa) tatsächlich eine ultranationale Tradition. Nein, das Land Nestor Machnos, der Schoa durch Gewehrkugeln und des Massakers von Babi Jar ist gewiss nicht vom antisemitischen Virus verschont geblieben. Und, ja, es gibt auf dem Majdan Grüppchen des „Rechten Sektors“ und auch eine Partei, Swoboda, die sich bis vor zehn Jahren als „sozial-national“ definierte.

          Aber: Diese Partei konnte auf ihrem Höhepunkt, also bei den Wahlen im Oktober 2010, insgesamt zehn Prozent der Ukrainer für sich gewinnen. Das ist viel, aber immer noch weniger als die Stimmanteile ihrer holländischen, österreichischen oder – ja, auch – französischen Brüder. Weit davon entfernt, Fortschritte zu machen, und statt, wie die Propagandisten des Putinismus in Europa endlos wiederholen, von der Radikalisierung der Bewegung zu profitieren, ist das Gegenteil eingetreten, und durch das Auftreten neuer Führer, die den Rechtsextremen das Monopol auf Radikalität genommen haben, ist Swoboda marginalisiert worden: Alle Umfragen, und erst kürzlich noch die des Socis-Instituts vom 31.Januar, sehen diese Partei unterhalb der Fünfprozenthürde.

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