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Familie : Kinder unterm Doktorhut

  • -Aktualisiert am

Studieren mit Kind: Kein leichtes Unterfangen Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Akademiker haben bei der Familienplanung vieles zu bedenken. Etwa, dass konservative Begabtenförderwerke junge Eltern kaum unterstützen. Oder auch, dass ein Winterkind größere Chancen auf einen Krippenplatz hat.

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          Elf Begabtenförderwerke unterstützen in Deutschland mit öffentlichen Mitteln den akademischen Nachwuchs. Studenten erhalten ein „Büchergeld“ von achtzig Euro (oder, bei Bedarf, BAFöG-Sätze), Doktoranden bekommen 920 Euro im Monat, längstens für drei Jahre. Die Promotion wäre nun die ideale Zeit, um Arbeit und Familie zu verbinden: Es gibt keine Bürozeiten, und die Doktorarbeit wartet geduldig und eifersuchtsfrei, bis das Kind schläft oder der Partner sich kümmert, so dass man sich ihr zuwenden kann. Seit drei Jahren besteht zudem die Fördermöglichkeit eines „Elternjahres“. Das heißt, man kann, wegen des Zeitaufwandes der Kinderbetreuung, ein zusätzliches, maximal also viertes Förderjahr erhalten. Kann - denn es ist eine fakultative Bestimmung: Das Forschungsministerium, das die Gelder an die Förderwerke vergibt, stellt frei, ob diese von der Möglichkeit, Elternjahre zu vergeben, Gebrauch machen.

          Sie tun dies in unterschiedlichem Ausmaß. Die Studienstiftung und jene Stiftungen, die den Gewerkschaften, den Kirchen und den linken politischen Parteien nahestehen, gewähren ausnahmslos dieses Elternjahr für jene Stipendiaten, die in der Förderzeit ein Kind bekommen. Hier besteht ein hohes Interesse an Kindern, die von Menschen in die Welt gesetzt werden, auf die man nicht nur beruflich einige Hoffnungen setzt, sondern die der entsprechenden Stiftung auch ideell nahestehen. Dieses Interesse versickert in der Mitte des politischen Spektrums: Die liberale „Friedrich-Naumann-Stiftung“ vergibt kein Elternjahr, bislang zumindest nicht. Was nicht heißt, dass sie ihre Stipendiaten in den Windeln stehen lässt, wenn Nachwuchs kommt: Im eigenen Fall gab es nach Geburt der Tochter sieben zusätzliche Fördermonate. Aber man will sich nicht festlegen, nach Haushaltslage entscheiden. Auf Nachfrage heißt es nun, man werde künftig das Elternjahr vergeben, behalte sich aber die Prüfung des Einzefalles vor. Ob diese Prüfung dann auch positive Ergebnisse erzielt, bleibt abzuwarten.

          Weil keiner danach fragt

          Und weiter rechts, im politischen Umfeld Ursula von der Leyens? Bei der CDU-nahen „Konrad-Adenauer-Stiftung“ hieß es vor zwei Jahren noch, man vergebe grundsätzlich kein Elternjahr. Begründungslos. Nun hat sich etwas geändert: Man sagt es nicht mehr so. Vergeben wird diese Förderung für junge Eltern immer noch nicht, aber nicht mehr aus Grundsatz, sondern, wie es dieser Zeitung gegenüber heißt, weil es diese Fälle nicht gebe, weil eben keiner danach frage. „Die Mütter“ (von Vätern keine Rede) nähmen, wenn ein Kind kommt, eine unbezahlte „Auszeit“ und promovierten später weiter.

          Der Schlingerkurs zum Thema Elternjahr wird vor allem mit finanziellen Schwierigkeiten begründet. Dabei ist ein Kinderansturm kaum zu befürchten. In keiner der anderen politischen Stiftungen gibt es mehr als ein halbes Dutzend Promovenden, die ein Elternjahr antreten. Das würde wohl auch die Adenauer-Stiftung als größte politische Begabtenstiftung Deutschlands mit einem Fördervolumen von 9,8 Millionen Euro im Jahr nicht überfordern. Wenn zudem die Stipendiaten ihren Kinderwunsch verschieben, ihn später, aus dem Beruf heraus, umsetzen, wird es dank Elterngeld für den Staat weit kostspieliger. Elterngeld für Stipendiaten gibt es übrigens nur in Höhe des 300-Euro-Sockelbetrags: Das Stipendium gilt nicht als Arbeitseinkommen.

          Eine Minderheit als Symbol

          Die CSU-nahe „Hanns-Seidel-Stiftung“ schließlich hält es, wenig überraschend, wie die Adenauer-Stiftung. Bislang zumindest: Bis heute hat man kein einziges Elternjahr vergeben. Man werde aber in der Zukunft, heißt es nun auf Nachfrage, das Elternjahr gewähren. Es ist nur eine kleine Minderheit, die all dies betrifft - aber die darf als Symbol gelten. Zumal es ja, weltanschaulich gesehen, um den eigenen Nachwuchs geht, den man hier fördert - oder eben nicht. Noch dazu in geradezu klassischer Weise: als Alimentierung einer Kindesbetreuung durch die eigenen Eltern.

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