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Familie : Der verunsicherte Mann

Da gibt es freilich die bewußt kinderlos lebenden Männer wie Dietmar Bartz, der in einem „Rechenschaftsbericht“ in der „Zeit“ forderte, daß „die Wunschlosigkeit in gleichem Maße respektiert wird wie der Wunsch“. Die Kinderfrage, klagt der Autor, habe immer wieder seine Beziehungen zerstört: „Ich kenne das argwöhnische Horchen der Frau auf das Ticken der biologischen Uhr, die Bedrückung über den langsam aufziehenden Großkonflikt, das stille Leiden und die Wutanfälle wegen Schwangerschaftsvorenthaltung“ - aber: „Ich kann das Recht am eigenen Kind nicht abgeben.“

„Ich will vielleicht Kinder“

Häufiger als diesem Typus des Totalverweigerers begegnete Meike Dinklage jedoch jenen „Später vielleicht“-Männern, bei denen sich die Kinderlosigkeit einfach eingeschlichen hat. Sie hegen keinen gesteigerten Pessimismus gegen die Welt wie noch in den achtziger Jahren, als man die Umweltverschmutzung zur Begründung gegen Nachwuchs bemühte, oder die Folgen der Globalisierung in den Neunzigern. Diese Männer verschleppen die Vaterschaft, schieben den Gedanken auf, sind sich nicht sicher, ob sie wirklich Nachwuchs wollen.

„Meine Argumente für oder gegen Kinder sind ein amorpher Brei“, sagt etwa der zweiundvierzigjährige Fotograf und Kinderbuchautor Jan Jepsen: „Ich will vielleicht Kinder, aber der Punkt ist: Ich kann mich nicht entscheiden.“

Auch konkrete Beweggründe werden formuliert, etwa die Angst, das bisherige Leben mit all seinen Möglichkeiten nicht mehr genießen zu können. Er würde sich wohl schwertun damit, „seine Freiheit zu opfern“, fürchtet Jespen: „Man muß viel aufgeben, im Zweifelsfall sich komplett, und an die Stelle der Selbstverwirklichung tritt die des Kindes.“ Kinderwagen statt Cabrio - das ist längst nicht mehr selbstverständlich.

Keine Handhabe gegen latente Verwirrung

Bundesfamilienministerin Renate Schmidt, die gestern erst einen Bericht über Väter und Väterbilder in Deutschland veröffentlicht hat, vermutet schon seit längerem, daß es am Ende die Männer seien, die bei der Entscheidung für oder gegen ein Kind häufiger den Ausschlag geben. Weil viele Männer nicht zwischen Spaß und Freude unterscheiden könnten - zumindest dann nicht, wenn die Freude Mühe bereite.

Armin Laschet, der neue CDU-Familienminister von Nordrhein-Westfalen, der sein Ministerium um das hierzulande einzigartige Ressort „Generationen“ erweitert hat, zuckt angesichts der diffusen Gefühlslage seiner Geschlechtsgenossen ratlos mit den Schultern. Das sei für die Politik die schwierigste, ja die entmutigendste Situation, so Laschet, weil man dagegen machtlos sei. Für bessere Betreuungsmöglichkeiten kann man sich einsetzen und auch für mehr Kindergeld - gegen latente Verwirrung bis Indifferenz gibt es hingegen keinerlei ministerielle Handhabe.

Manche Männer können sich Kinder durchaus vorstellen, doch wollen sie sich zuerst wirtschaftlich absichern, ehe sie sich bereit fühlen für Nachwuchs - und schieben den Gedanken wieder beiseite. Studien haben ergeben, daß sich Männer auch in Industriestaaten noch immer als Haupternährer der Familie fühlen, selbst wenn die Partnerin über ein höheres Einkommen verfügt. Für ihr Selbstverständnis scheint es dennoch von Bedeutung, ob sie es sich alleine leisten können, eine Familie zu ernähren.

Nervige Betüddelungsorgien

Im Zuge der Frauenbewegung wurde diese klassische Männerrolle entwertet. Die Folgen sind eine Verunsicherung und die Suche nach einem neuen Rollenbild, mit bisweilen tragikomischen Effekten, wie etwa viel zu teuren Autos oder Abenteuerreisen zum Südpol.

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