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Postmoderne und „Fake News“ : Die Dialektik von Lüge und Wahrheit

Glauben wegen dieses Bildes Millionen Trump-Wähler im Mittleren Westen nicht an den Klimawandel? James Rosenquist, "Star Thief", 1980 Bild: Rheinisches Bildarchiv/VG Bild-K

Haben die Nihilisten der Postmoderne Trump und die Lügenpolitik der „Fake News“ erst möglich gemacht? Während rechte Denker neuerdings Derrida lesen, verteufeln linke ihn. Eine dringend nötige Begriffsklärung.

          7 Min.

          Im November 2017 veröffentlichte Wladimir Putins berüchtigter Propagandachef Wladislaw Surkow auf der Website des staatlichen Fernsehsenders RT einen eigensinnigen und zugleich höchst bemerkenswerten Text. Unter dem Titel „Die Krise der Hypokrisie“ versuchte sich Surkow an einer Diagnose der gegenwärtigen Glaubwürdigkeitsprobleme westlicher Politik.

          Harald Staun

          Redakteur im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Zwar ließ der Text keine Zweifel an der autoritären Gesinnung Surkows, am Ende lief er auf die Forderung nach einer „starken Hand“ hinaus, auf die Prophezeiung eines „Königs des Westens“, der in einer „digitalen Diktatur“ herrschen werde. Argumentativ jedoch klang er, als hätte jemand mit einer Schrotflinte auf den Text geschossen, die mit dem Jargon dreißig Jahre alter Proseminararbeiten zur Postmoderne geladen war: Das „rationalistische Paradigma der westlichen Zivilisation“, erklärte Surkow, gründe unvermeidlich auf einer Lüge, auf der Illusion universeller Wahrheiten. Surkow dozierte über falsche binäre Codes, über die „Struktur der Sprache“, welche die Realität niemals abbilden könne, und feierte Betrüger, Spieler, Fälscher als zentrale Helden von Kunst und Geschichte: „Im Kampf um die Macht ist Perfidie keine verbotene Methode.“

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