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Münchner Stadionstreit : Fair geht vor divers

Das Münchner Stadion darf beim EM-Spiel nicht, wie im Januar 2021, in Regenbogenfarben leuchten. Bild: Picture-Alliance

Redlicherweise kann man nicht bestreiten, gegen wen das Zeichen einer buntgestreiften Arena gerichtet wäre. Es hätte der ungarischen Nationalmannschaft signalisiert, dass sie ihr Auswärtsspiel in Feindesland hätte absolvieren müssen.

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          Dieter Reiter: der Mats Hummels der deutschen Politik? Manche der Fußballfreunde, die es bedauern, dass die UEFA den Antrag abgelehnt hat, das Münchner Stadion heute in den Farben des Regenbogens leuchten zu lassen, haben den Münchner Oberbürgermeister als den Schuldigen ausgemacht. In ihren Augen hat Reiter ein Eigentor erzielt, indem er im Antragsschreiben angab, dass der Anlass für die vorgeschlagene Illumination „die Einschränkungen“ seien, „die in Ungarn zu Lasten der Rechte von Schwulen, Lesben, Bisexuellen und Transgender (LGBTIQ) gegeben sind“. Damit, so Reiters Kritiker, habe er der UEFA den Vorwand geliefert, den Vorschlag, wie es in der offiziellen Antwort heißt, wegen „des politischen Kontextes dieser speziellen Anfrage“ abzulehnen.

          Hätte – so der kontrafaktische Taktikplan der Lehnstuhltrainer bei der politischen Variante des Gesellschaftsspiels Fantasy Football – der Sozialdemokrat Reiter doch bloß von der Politik geschwiegen! Hätte er das Lichtspektakel einfach nur als Zeichen für die Menschenrechte bezeichnet – dann hätte die UEFA die Aktion gutheißen müssen, als einen weiteren Hingucker im Dienste jener „guten Sache“, der zuliebe sie auch die regenbogenbunte Armbinde des deutschen Kapitäns Manuel Neuer gebilligt hatte, obwohl die Regularien den Mannschaftsführern vorschreiben, dass sie sich durch eine blaue Binde mit der Aufschrift „Respect“ auszuweisen haben. Glaubwürdig wäre die Reiter nachträglich angesonnene Camouflage nicht gewesen. Auch wenn im Brief des Oberbürgermeisters nichts davon gestanden hätte, wäre offenkundig gewesen, dass die Stadt, wie die UEFA festhält, eine „Botschaft“ in die Welt senden wollte, „die auf eine Entscheidung des ungarischen Parlaments abzielt“. Das ergibt sich aus den Sitzungsprotokollen des Stadtrats und aus der öffentlichen Diskussion, durch die es zur kurzfristigen Befassung des Rats mit der Stadionbeleuchtung kam.

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