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Facebook und Google Earth : Antisemitismus im Web 2.0

  • -Aktualisiert am

Der Brand im Nahen Osten wird im Internet noch angefacht Bild: dpa/dpaweb

In beliebten sozialen Netzwerken wie Facebook wird der Nahost-Konflikt mit schmutzigen Mitteln fortgesetzt. Ob das Existenzrecht Israels bestritten wird oder der Holocaust: Dem vernetzten Hass stehen die Betreiber ratlos gegenüber.

          Es war das Massaker an sieben Jugendlichen und einem Erwachsenen, das David zum Internetkämpfer machte. Im März erschoss ein radikaler Palästinenser in Jerusalem acht Schüler einer Yeshiva, einer jüdischen Religionsschule. Wenig später gründete Ahmad aus Saudi-Arabien im Internetnetzwerk Facebook eine Freundesgruppe, die den Mörder Alaa Abu Dhaim als Märtyrer pries - und die schon bald an die dreihundert Mitglieder hatte. Für David, selbst jahrelang Facebook-Mitglied, war dies der „Schlüsselmoment“, verstärkt die Öffentlichkeit zu suchen und „eine ähnlich deutliche Antwort zu geben“. Mit Mitstreitern gründete er die Internetseite „Jewish Internet Defense Force“ (JIDF), in Anspielung an die israelischen Streitkräfte IDF, die „Israel Defense Force“. Ebenso martialisch wie der Name ist das Logo der JIDF: ein Kampfjet vor der blau-weißen Israel-Flagge mit Davidstern.

          Ziel der Seite ist es, gezielt gegen Online-Antisemitismus und antiisraelische Hasstiraden im Web 2.0 vorzugehen - in beliebten sozialen Netzwerken wie Facebook, Wikipedia oder YouTube. Der Preis der Arbeit: Nach mehreren Morddrohungen möchte David nicht mehr über sich preisgeben als seinen Vornamen. Jahrelang hatten er und seine Mitstreiter schon den „zunehmenden Antisemitismus“ beobachtet und verschiedene politische Kampagnen gestartet - nun möchten sie diese öffentlichkeitswirksam unter dem Dach der JIDF bündeln.

          D ie üblichen antisemitischen Verschwörungstheorien

          Die hat angeblich fünftausend Unterstützer und sucht nach anti-israelischer und antisemitischer Propaganda, meldet sie dem Betreiber, animiert andere Nutzer, dasselbe zu tun, und übt Druck über die Öffentlichkeit aus. Weil das nicht immer hilft, hat die JIDF „noch andere Mittel“, wie David nebulös andeutet. Jedenfalls sei es gelungen, „Dutzende Facebook-Gruppen zu infiltrieren und zu zerstören“. Die größte habe 118 000 Mitglieder gehabt und Werbung für die schiitische Hizbullah gemacht. Noch heute ist ihre alte Startseite auf Facebook zu finden, aber dort prangt nun stolz das Logo des JIDF - und die alten Inhalte sind nicht mehr verfügbar.

          Der Nahost-Konflikt findet seine politisch-ideologische Fortsetzung in den beliebten Internetforen des Web 2.0. Das stellt an sich unpolitisch konzipierte soziale Netzwerke vor große Probleme, weil sie als Propaganda-Plattformen missbraucht werden. So findet man in Facebook-Gruppen Bilder von Hamas-Kämpfern, getöteten palästinensischen Babys oder Kindern, die mit Sprengstoffgürtel-Attrappen posieren. In kaum zu zählenden Kommentaren bekräftigen Nutzer aus der ganzen Welt, dass „wir alle Israel hassen“, dass das Land „ein terroristischer Staat“ sei, „das Krebsgeschwür im Nahen Osten, eine Krankheit, die wir zerstören müssen“. So fragt Siet aus Ägypten: „Wohin willst Du gehen, Israel?? Das Meer vor Dir, die Araber hinter Dir.“ Und es fehlen auch nicht die üblichen antisemitischen Verschwörungstheorien: Die Juden kontrollierten die Medien, die Welt, die amerikanische Außenpolitik - und der Holocaust habe so nicht stattgefunden. Wer das dennoch glaubt, preist Adolf Hitler („dieser Mann hat euer Volk zu Tode verbrannt!“) oder verweist auf Hitler-Gruppen auf Facebook. Eine der größten heißt „We respect you Hitler“ und hat derzeit 357 Mitglieder. Es gibt sogar eine ganze Gruppe mit 151 Mitgliedern, deren Zweck die Leugnung des Holocausts ist.

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