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Facebook im Wahlkampf : Trump und die „Hate Speech“

  • -Aktualisiert am

Er ist immer noch da: Donald Trump macht Wahlkampf bis zuletzt. Bild: dpa

Donald Trump hat bei Facebook 11,7 Millionen Fans. Doch kriegen sie alles zu lesen, was er absetzt? Oder wird einiges gestrichen? Beim Netzwerkkonzern tobt dazu ein heftiger interner Streit.

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          Auf seiner Facebook-Seite hat Donald Trump 11,7 Millionen Fans, deutlich mehr als Hillary Clinton, die es auf 7,4 Millionen Anhänger bringt. Trump äußert sich fleißig, und nicht jede seiner Mitteilungen entspricht den Facebook-Richtlinien. Wie das „Wall Street Journal“ berichtet, tobt bei dem Konzern deshalb ein interner Streit, wie man mit Trump umgehen soll. Einige Mitarbeiter forderten, Trumps Einlassung über ein Einreiseverbot für Muslime müsse als „Hasskommentar“ gewertet werden und entfernt werden. Unter Punkt 3.7 der „Erklärung der Rechte und Pflichten“ in den AGBs von Facebook heißt es im Duktus der Zehn Gebote: „Du wirst keine Inhalte posten, die Hassreden enthalten, bedrohlich oder pornografisch sind, zu Gewalt verleiten oder Nacktdarstellungen bzw. grafische sowie sonstige Gewalt enthalten.“ Ist Trumps Rhetorik darunter zu subsumieren?

          Konkret geht es um eine Mitteilung vom 7. Dezember 2015. In einem Statement fordert Trump eine „totale und vollständige Schließung“ der Grenzen für Muslime, die nach Amerika reisen, „bis die Repräsentanten des Staates herausgefunden haben, was vor sich geht“. Nutzer meldeten den Eintrag als Hasskommentar, was Facebooks „Community-Operations-Team“ veranlasste, die inkriminierte Äußerung zu prüfen. Einige Mitarbeiter meinten, die Aussage verstoße gegen die Richtlinien. Auf Drängen der Global-Policy-Managerin Monika Bickert sei die Äußerung aber nicht entfernt worden, schreibt das „Wall Street Journal“. Facebook-Chef Mark Zuckerberg hatte ein Machtwort gesprochen und sich gegen Löschungen ausgesprochen: Kein Kandidat werde zensiert.

          Die größte Online-Zeitung der Welt?

          Inzwischen beziehen 44 Prozent der Amerikaner ihre Nachrichten über Facebook. Mark Zuckerberg ist zum Chefredakteur der mit mehr als einer Milliarde Lesern größten Online-Zeitung geworden. Nach außen hin gibt es sich neutral. In einem Memo distanzierte er sich von Aufsichtsratsmitglied Peter Thiel, der im Wahlkampf Trump unterstützt, und betonte den Wert der Vielfalt. Dass es intern mit diesem Pluralismus nicht allzu weit her ist, zeigen die Ereignisse der vergangenen Monate: Im März stand in der betriebsinternen Fragerunde an Zuckerberg die Erkundigung, was man tun könne, um Trump zu verhindern. Im Juli wurde bekannt, dass Facebook seinen Nachrichten-Kuratoren Vorgaben bei der Berücksichtigung von Quellen macht. Zuckerberg musste sich vor dem Handelsausschuss des Senats rechtfertigen. Im August schließlich entließ Facebook auf öffentlichen Druck hin sein News-Team und ersetzte es durch einen Algorithmus. Das Kalkül dahinter lautet: Eine Maschine liefert weniger verzerrte Ergebnisse als der Mensch und ist neutral. Doch seit Algorithmen die Nachrichten auswählen, sind mehrfach Falschmeldungen in die „Trending News“ eingespielt worden.

          Trumps Kommentare zu löschen wäre für Facebook ein Leichtes. Ein Gefallen würde sich der Konzern damit wohl kaum tun, sondern einen Beleg für den vielfach – auch und gerade von Trump – geäußerten Vorwurf bieten, die Medien sortierten im Wahlkampf die Welt im Sinne der Clinton-Kampagne durch. Abgesehen davon hat Facebook auch ein geschäftliches Interesse an der Kontroverse, so derbe und plump sie ausfallen mag. Mit politischer Werbung hat der Konzern angeblich schon einen Umsatz von dreihundert Millionen Dollar gemacht.

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