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Facebooks Messenger : Denn sie wissen, was wir sagen sollen

  • -Aktualisiert am

Hallo, das ist deine Bekannte Susanne, sie war kürzlich auch in der Toskana. Unterhaltet euch! Bild: dpa

Facebook schlägt seinen Nutzern nicht nur Freunde vor, sondern sagt auch, worüber man mit ihnen reden soll. Wer sich komplett entmündigen lassen will, ist hier genau richtig.

          Geht es nach dem Facebook-Gründer Mark Zuckerberg, kommunizieren wir künftig nur noch mit Chatbots. Im April hat Facebook die Betaversion der Messenger-Plattorm freigeschaltet, auf der Entwickler eigene Bots basteln können. Zahlreiche Unternehmen machen davon Gebrauch. Auf dem Facebook-Messenger, der inzwischen eine Milliarde Nutzer zählt, kann man via Chatbots Blumen bestellen oder Nachrichten abrufen. Der Bot analysiert den Nachrichtenverlauf und liefert, ähnlich wie die neue Google-App „Allo“, standardisierte Textbausteine. Diese oder jene Blumen? Mehr Informationen zu Trump? Man muss nur noch klicken.

          Doch die Automatisierung der Kommunikationsschleife ist noch lange nicht beendet. Facebook experimentiert zurzeit mit „conversation topics“. Das heißt, dem Nutzer werden automatisch Themen vorgeschlagen, über die er sich mit seinen Facebook-Freunden unterhalten kann. Die Offerten richten sich nach den Aktivitäten und Nachrichten der Freunde. Die „conversation topics“ sollen in einem eigenen Feld auf dem Bildschirm angezeigt werden. Unter dem Namen des Freundes steht dann beispielsweise: „Hat gerade das Grand Canyon Village in Arizona besucht.“ Es kann auch um Musik gehen, die ein Freund gerade auf einem Streaming-Dienst gehört hat, oder um Veranstaltungen, für die sich jemand über „Facebook Events“ angemeldet oder für die er Interesse bekundet hat. Facebook schlägt uns nicht nur „Freunde“ vor, sondern auch, worüber wir uns mit ihnen unterhalten.

          Stichwortgeber Nummer eins

          Bei den „Conversation Topics“, die der Web-Vordenker Chris Messina entdeckt und auf Twitter publik gemacht hat, handelt es sich um einen Testlauf. Die im Nachrichtenportal „Tech Crunch“ mit Verweis auf ihn erwähnten Beispiele sind recht harmlos. Doch wie wäre es, wenn der Messenger in den „Conversation Topics“ anzeigt, dass ein Freund eine Wahlveranstaltung von Hillary Clinton oder Donald Trump besuchen will? Oder sich für die Wahl angemeldet hat? Facebook hat seinen Nutzern am 23. September eine Erinnerung zur Wahl-Registrierung ausgerollt, was in einigen amerikanischen Bundesstaaten einen signifikanten Effekt auf die Registrierungszahlen hatte. Das soziale Netzwerk beeinflusst die Wahlbeteiligung – und die Agenda. Facebook wird zum Stichwortgeber Nummer eins.

          Die Idee hinter „conversation topics sei“ simpel, befindet „Tech Crunch“. Wenn man einen Weg sucht, im Austausch mit einer neuen Facebook-Bekanntschaft das Eis zu brechen oder den Kontakt zu einem alten „Freund“ wiederaufzunehmen, könnten die Konversationsvorschläge hilfreich sein, weil Facebook herausfinde, worüber man reden soll. Als bräuchte es dafür die Technik. Um „Freundschaften“ geht es Facebook dabei selbstverständlich nicht, sondern darum, dass die Nutzer möglichst lange im Netzwerk bleiben. Die „conversation topics“ im Facebook-Messenger sollten vor allem für Gesprächsstoff sorgen, indem man die Frage nach dem Sinn des Ganzen stellt und darüber nachdenkt, was von einem selbst im Original noch übrigbleibt, wenn Facebook die „Freunde“ aussucht und dann auch noch vorbestimmt, worüber man mit ihnen reden soll.

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