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Quarterly Talk: Constanze Kurz : Muss man Facebook & Co zerschlagen?

Bild: F.A.Z.

Die großen Techfirmen sind durch die Pandemie noch mächtiger geworden. Sollte man sie am besten zerschlagen, wie einige Kritiker fordern? Darüber sprechen wir im Video-Interview mit der Internet- und Datenschutzexpertin Constanze Kurz.

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          Homeoffice, Video-Konferenzen, Online-Shopping, Streamingdienste, Cloud-Computing –wegen Corona waren sehr viel mehr Menschen intensiv in den digitalen Welten unterwegs als je zuvor. Davon haben vor allem die großen amerikanischen Techfirmen profitiert: Amazon, Apple, Facebook, Google und Microsoft. Auch das Bundeskartellamt hat festgestellt: Die Pandemie hat Entwicklungen beschleunigt, die bereits vor Corona erkennbar waren – und zu noch mehr Macht für die großen Internetkonzerne geführt. Ihr Börsenwert beläuft sich mittlerweile auf mehr als sechs Billionen Dollar, ein Vielfaches des Wertes aller im DAX gelisteten Unternehmen.

          Rainer Schmidt
          Verantwortlicher Redakteur Frankfurter Allgemeine Quarterly.

          „Die Big-Tech-Firmen können praktisch agieren wie unregulierte Monopole“, moniert etwa Scott Galloway, Professor und amerikanischer Bestsellerautor („The Four – Die geheime DNA von Amazon, Apple, Facebook und Google“)  im „Frankfurter Allgemeine Quarterly“. Seiner Ansicht nach gefährden sie Marktwirtschaft und Demokratie – und gehören deswegen zerschlagen. Von Facebook würde er WhatsApp und Instagram trennen, von Amazon den lukrativen Bereich Amazon Web Services und den Apple Store würde er auch für Anwendungen anderer Entwickler öffnen.

          Die Macht der Giganten, so der Vorwurf, hemme den Wettbewerb, weil sie die Bedingungen auf den von ihnen geschaffenen Märkten diktieren können, sie ersticke Innovationen, weil potentielle Konkurrenten frühzeitig „geschluckt“ werden, sie bedrohe die Privatsphäre der Verbraucher durch hemmungslose Datengier – und gefährde die Demokratie durch Meinungsmanipulation und Förderung der Polarisierung.

          Demokratien müssen sich nicht alles gefallen lassen

          Wie sich das Bild aus einer europäischen und deutschen Perspektive darstellt, haben wir in unserer neuen Video-Interview-Reihe „Quarterly Talk“ mit Constanze Kurz erörtert, die als Sprecherin des Chaos Computer Club und Mitglied der Redaktion von Netzpolitik.org eine anerkannte Internet- und Datenschutzexpertin ist, die diverse Male bereits als Sachverständige für Bundestag und Bundesverfassungsgericht tätig war.

          Ihrer Ansicht nach gibt es in keinem der vier Märkte, in dem „The Big Four“ (Apple, Amazon, Google, Facebook) aktiv sind, Aussichten auf eine europäische Konkurrenz: „Die können alle nur zugucken und sich vielleicht ein bisschen beschweren.“

          Constanze Kurz ist vor allem besorgt wegen der möglichen Auswirkungen der geballten Firmenmacht, etwa von Google, auf das demokratische Gemeinwesen: „Was können wir noch wissen ohne diesen Konzern? Und in wieweit gibt er uns überhaupt noch Einblick in das, was wir wissen können?“ Insbesondere die Möglichkeiten der Meinungsmanipulation sieht sie als Gefahr. Forderungen, die Unternehmen zu zerschlagen, findet sie als Anregung  „nicht verkehrt“, weil sie uns darauf hinwiesen, dass die Welt auch anders funktionieren könne, als wir es aktuell erleben: „Ich glaube, dass sich Demokratien nicht alles gefallen lassen müssen von diesen Konzernen.“  In Deutschland, so Kurz, seien die Kontrollbehörden aber „absolut unterbesetzt, das ist ja der Hohn“. Wenn man eine ernsthafte Kontrolle wolle, müsse man für eine entsprechende Ausstattung sorgen: „Aber das ist wirklich ein Witz, wie wenig Menschen sich darum kümmern sollen.“

          (Für den Alltag im Netz hat Constanze Kurz übrigens eine ganz persönliche Empfehlung: Sie klebt stets die Kamera ihres Laptops ab – wegen der IT-Unsicherheit: „Die Gefahr, dass jemand, ohne dass ich das weiß, auf die Kamera zugreifen kann, ist immer noch recht groß.“)

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