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Exzellenz-Förderung : Begehen und begangen werden

Die Begehung dient dem immerwährenden Wiedersehen unter Wissenschaftlern: Am Ende kennt fast jeder fast jede. Bild: Picture-Alliance

Verhaltenskontrolle, Mäßigung von Arroganz und Unterbindung von Spontaneität: Forscher brauchen jetzt offenbar Unternehmensberater und Körpertrainer. Über ein Laienschauspiel im Zeitalter der Exzellenz.

          3 Min.

          In der deutschen Wissenschaft ist das Wort „Begehung“ prominent geworden. Denn hier, andernorts trifft man diese Merkwürdigkeit seltener, wird zunehmend viel Geld an mehr oder weniger existente Forschungsverbünde ausgeschüttet. Das heißt, es werden Projektanträge geschrieben, in denen sich eine Gruppe als viel mehr denn ein Aggregat von Einzelnen darstellt. Gutachter urteilen darüber, und schließlich kommt es zu einer – Begehung.

          Jürgen Kaube
          Herausgeber.

          Die Begehung unterzieht den Anspruch auf Erkenntnis einem Interaktionstest. Es ist, als traute man dem nicht ganz, was man schwarz auf weiß hat. Oder entlastet das Gespräch einfach nur von der Lektüre? „Vor Ort“, wie es in der Bergmannssprache heißt, läuft darum ein Trupp von Gutachtern auf, trifft sich am Vorabend, bestellt die Antragsteller ein und prüft abschreitend, ja was eigentlich? Die Antragsteller, ob sie überhaupt existieren und manierlich sind, ob sie überhaupt zusammenpassen? Die Räumlichkeiten mit den soeben neu gestrichenen Wänden? Die vom letzten Antrag finanzierten Geräte in den Labors?

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