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Exzellensinitiative : Die Lebenslügen der Universität

  • -Aktualisiert am

Am 12. Januar beginnt die zweite Runde im universitären Exzellenz-Wettbewerb. Gibt es überhaupt genug Forschung für mehr als fünfzig deutsche Universitäten? Und sind die Hochschulen wirklich autonom genug, um exzellent zu sein?

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          Kürzlich haben die Präsidenten der deutschen Universitäten gefordert, in der zweiten Runde der Exzellenzinitiative solle der Politik mehr Entscheidungsspielraum gelassen werden. Mit anderen Worten: Das Versteckspiel zwischen Wissenschaft und Politik geht weiter. Man spricht von universitärer Autonomie, macht aber ständig neue Vorgaben. Man spricht von wissenschaftlicher Qualität als Kriterium der Mittelvergabe, ruft aber nach der Politik, wenn Ungleichverteilungen drohen.

          Der Grund hierfür: Die Universitäten sind politisiert, mehr, als sie es wahrhaben wollen. Nicht parteipolitisch, aber im Stil. Zielkonflikte, etwa zwischen liberalem Zugang, Abbrecherquote, Studiendauer und Qualität des Studiums, werden geleugnet. Es wird behauptet, man könne alles gleichzeitig haben. Ähnlich unwahrhaftig geht es im Forschungsmarketing zu. Hin- und hergerissen zwischen Praxisbezug (kann Geld bringen) und Gewinn von Erkenntnis über Unbekanntes (kann Prestige bringen), werden quadratische Kreise wie die „zielgerichtete Grundlagenforschung“ erfunden. Der wissenschaftliche Fortschritt aber lässt sich nicht bestellen. Es wird verdrängt, dass es oft Jahrzehnte dauert, bis Grundlagenforschung die erhofften Umsätze oder Gewinne bringt. Dass sich Entdeckungen nicht immer wie erträumt oder gar versprochen schnell anwenden lassen, liegt meistens eher an ihrer Komplexität als am mangelnden Technologietransfer.

          Wissenschaft an die Kandare genommen

          Aus Missverständnis wächst Misstrauen. Die Politiker haben das dumpfe Gefühl, knappes Geld in ein Fass ohne Boden zu werfen und sich dafür noch ein ewiges Gequengel über mangelnde Ausstattung anhören zu müssen. Also wird die Wissenschaft mit Zielvereinbarungen an die Kandare genommen. Aber da handelt es sich eher um Diktate mit unverbindlichen politischen Absichtserklärungen einerseits und festen Verpflichtungen andererseits. Leider sind die Reaktionen oft irrational. Wissenschaftler flüchten in Zynismus, beschwören gar den Untergang der deutschen Universität, was sich aber inzwischen arg abgenutzt hat.

          Auf was beruht und wer verantwortet die Qualität einer Hochschule, und woran wird diese von den Wissenschaftsmanagern gemessen? Seit den neunziger Jahren ist es der Wirtschaftsstandort Deutschland, von dem es heißt, dass er vorrangig zu bedienen sei; aber in jeder Epoche bedienen sich die Meinungsführer zunächst einmal selbst. Auf die sich selbst lähmende Gruppenuniversität folgt nun die Zentralisierung. Die zerschlagenen klassischen großen Fakultäten werden wieder eingeführt, nun sind sie aber als Folge des inzwischen stattgefundenen Wachstums bis zur Unbeweglichkeit aufgebläht. Also müssen neben dem starken Rektor auch starke Dekane her. Und wen vertreten die? Die Interessen ihrer Fächer als Mitglieder (Prorektoren) in der Universitätsleitung? Oder überwiegt der legitime Wunsch eines Rektors nach einer homogenen Leitung? Dann müsste er seine Kollegen Prorektoren doch wenigstens vorschlagen dürfen.

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