https://www.faz.net/-gqz-9vzov

Vermögensstreit mit Adelshaus : Die Hohenzollern fordern, der Staat hofft

  • -Aktualisiert am

Die Historiker Stefanie Middendorf (l-r), Christoph Martin Vogtherr und Stephan Malinowski kommen zu einer Anhörung des Kulturausschusses, bei dem es um die Forderungen der Hohenzollern gegen den Staat geht. Bild: dpa

Der Kulturausschuss des Deutschen Bundestages hörte Sachverständige zum Vermögensstreit mit der Hohenzollern-Familie an. Kein Wunder, dass die Forderungen dreister, die Wunschlisten länger werden.

          2 Min.

          Zwei Auftritte waren interessant in der dreistündigen Anhörung des Bundestagskulturausschusses, der sich am Mittwoch mit den Eigentumsansprüchen der Hohenzollernfamilie an die Bundesrepublik befasste. Der eine gehörte Elisabeth Motschmann, geborene Baronesse von Düsterlohe, die für die CDU im Ausschuss sitzt und in der Diskussionsrunde nach den Eröffnungs-Statements das Wort führte.

          Nachdem vier historische Experten den Stand der Erkenntnisse zum Thema referiert und dabei die Rolle des Ex-Kronprinzen Wilhelm von Preußen beim Aufstieg Hitlers mehr oder minder scharf umrissen hatten, stellte Frau Motschmann fest, es gebe offenbar Lücken in der Forschung. Warum? Weil „zentrale Quellen“ noch unausgewertet seien, sprich: Weil nur einer der Gutachter in dem Streitfall auch im Familienarchiv der Hohenzollern in Hechingen recherchiert hat.

          Nun war dieser eine Gutachter, der Freiburger Historiker Wolfram Pyta, von der Familie beauftragt, entlastendes Material zusammenzutragen, und wird entsprechend gründlich nachgeschaut haben. Will Frau Motschmann ihm etwa vorwerfen, er habe seine Arbeit nicht gut gemacht? Oder beschuldigt sie gar die Hohenzollern, sie enthielten der Öffentlichkeit Belege für die antifaschistische Gesinnung ihrer Vorfahren vor? Dass es am Ende in der Sache Hohenzollern weder um alte noch um neue Fakten, sondern um die Obhutspflicht des Staates für seine Kulturschätze geht, bewies der zweite interessante Auftritt dieses Nachmittags, die Aussage von Christoph Martin Vogtherr.

          Vogtherr ist Generaldirektor der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten, die den Großteil der zwischen Bund und Hohenzollern strittigen Objekte verwahrt. Von Abgeordneten der SPD und FDP gefragt, warum die Verhandlungen mit den Hohenzollern nicht vorankämen, erklärte er, auf ein großzügiges Angebot des Bundes hätte die Vertreter der Gegenseite mit noch weitergehenden, unerfüllbaren Forderungen reagiert. Man könne deshalb nur hoffen, dass die Familie ihre geschichtliche Verantwortung erkennen und das öffentliche vor ihr privates Interesse stellen würde.

          Andererseits, so Vogtherr, habe der staatliche gute Wille auch in der Weimarer Republik schon nicht gefruchtet. Mit anderen Worten: Die Hohenzollern fordern, der Staat hofft. Kein Wunder, dass die Forderungen dreister, die Wunschlisten länger werden. Vor Gericht, warnten zwei als Sachverständige geladene Vermögensanwälte in der Anhörung, könne der Fall so oder so ausgehen, der „erhebliche Vorschub“ des Ex-Kronprinzen für den Nationalsozialismus bejaht oder auch verneint werden. Vielleicht sollte man es dennoch darauf ankommen lassen. Schon um zu zeigen, dass sich die öffentliche Hand nicht von Privatleuten in den Schwitzkasten nehmen lässt. Auch wenn noch längst nicht jedes Blatt Papier im Hechinger Familienarchiv umgedreht worden ist.

          Andreas  Kilb

          Feuilletonkorrespondent in Berlin.

          Folgen:

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.