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Junge Europäer vor der Wahl : „Diese Freiheit ist nicht selbstverständlich“

Wo fühlen sich junge Europäer zuhause? Und was erwarten sie von der EU? Bild: Picture-Alliance

Vor der EU-Wahl dreht sich alles um den Brexit und die Populisten. Aber wie steht es eigentlich um die Erwartungen der Rumänen, Litauer, Kroaten, Schotten? Vier junge Exil-Europäer und ein Deutscher sprechen über ihr Europa.

          Welcher Begriff fällt Ihnen als erstes ein, wenn Sie an Europa denken?

          Elena Witzeck

          Redakteurin im Feuilleton.

          Marina Ackar: Zuhause.

          Andrei Firus: Mobilität.

          Fabian Geuther: Robert Schuman.

          Agne Kvietkaite: Einheit.

          Annmarie Stimson: Zusammenhalt.

          Ein Kommentar zu den Heimatländern der hier Anwesenden?

          Marina Ackar: Litauen ist bekannt für seine schönen Frauen!

          Agne Kvietkaite: In der Tat. Und Kroatien hat diese bezaubernde Küstenlinie.

          Andrei Firus: Ich möchte nichts verallgemeinern, aber meine schottischen Bekannten haben einen lustigen Akzent.

          Annmarie Stimson: Das ist schon wahr.

          Andrei Firus: Sie sagen, dass es nicht an ihrem schlechten Englisch liegt, wenn ich sie nicht verstehe. Sondern an meinem dürftigen Schottisch. Bleibt ihr denn jetzt EU-Bürger?

          Annmarie Stimson: Zunächst hatten wir Mays Vorschlag akzeptiert. Aber jetzt, wo die EU dem Vertrag nicht zustimmt und sich das Chaos vertieft, fühlen wir uns nicht mehr angemessen vertreten. Wir hoffen auf ein zweites Referendum.

          Fabian Geuther: Zu Rumänien fällt mir deftiges Essen ein. Und zu Bukarest: Eines der größten Parlamentsgebäude.

          Andrei Firus: Das zweitgrößte Gebäude der Welt.

          Annmarie Stimson: An den Rumänen gefällt mir der Humor.

          Andrei Firus: Dem möchte ich nicht widersprechen.

          Haben Sie den Eindruck, dass Ihre Länder in der EU ausreichend präsent sind?

          Marina Ackar: Ich wohne in Frankfurt. Hier gibt es wahnsinnig viele Ausländer, ich kenne viele Ex-Jugoslawen und höre ihre Sprachen an jeder Ecke. Kroatien ist ein Urlaubsland. Das Interesse scheint mir groß genug.

          Agne Kvietkaite: Es ist besorgniserregend, wie wenig die Menschen über Litauen wissen. Viele saßen ja im Erdkundeunterricht, als Litauen noch Teil der Sowjetunion war. Sogar die Lage meines Landes kennt kaum jemand. Als ich in Italien wohnte, musste ich bei einem Behördengang drüber diskutieren, ob ich EU-Bürgerin bin. Die Leute denken als erstes an Russland. Dabei ähneln sich nicht einmal die Sprachen! Wir sprechen kein Russisch. Seit dem Ende der Sowjetunion haben wir uns in Richtung Europa orientiert. Unsere Sprache gehört zu den ältesten des Kontinents. Manchmal wünsche ich mir schon, die Europäer wüssten mehr über uns. Aber wer weiß. Vielleicht kommt das noch.

          Seit dem EU-Beitritt 2004 sind viele Menschen aus Litauen ausgewandert.

          Agne Kvietkaite: Ja. Das hat mit der Lohnungleichheit zu tun. Sie gehen nach England und Irland, wo sie besser verdienen. Es ist jetzt so viel einfacher, sich innerhalb Europas zu bewegen. In Litauen gibt es wenig gutbezahlte Jobs. In den ländlichen Gegenden haben es die Menschen besonders schwer.

          Annmarie Stimson: Ich arbeite in einer Kindertagesstätte. Über Schottland wissen viele Familien dort schon ganz gut Bescheid. Aber es nervt mich, dass ich seit Anfang des Jahres täglich gefragt werde, was ich zum Brexit sage. Teilweise dreimal am Tag!

          Fabian Geuther: Unter meinen Kollegen gibt es jetzt das ungeschriebene Gesetz: Don’t talk about Brexit. Wir haben alle genug von der Debatte.

          Andrei Firus: Beim Thema Vorurteile sind wir Rumänen sensibel. Das Bild, das viele Europäer von uns haben, ist unvollständig. Ich wette, dass einige von euch bei mir an etwas Negatives gedacht haben, als die Frage nach dem ersten Eindruck zu unseren Ländern kam.

          Marina Ackar: Armut…

          Fabian Geuther: Das zweitärmste Land in der EU.

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