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Hans-Werner Sinn : Renoviert das Bad, und werdet mündige Bürger!

Hinter dem Überschuss unserer Exporte über die Importe, erklärt Sinn, steht eine deutsche Ersparnis, denn wir liefern ans Ausland mehr Waren und verdienen dabei mehr, als wir von dort an Waren beziehen. Also bekommen wir normalerweise Schuldscheine und andere Vermögenswerte aus dem Ausland, die unsere Banken und Versicherungen in unserem Auftrag dort erwerben.

„Wenn die Sache knallt...“

Heute sei das im Euroraum nicht mehr so, denn die Südländer verkaufen keine Schuldscheine und Vermögenswerte mehr an die deutschen Finanzinstitute, sondern drucken sich das Geld für den Warenerwerb. Bislang kauften Banken und Versicherungen für unsere Exportüberschüsse und die dahinterstehenden Ersparnisse im Ausland marktfähige Wertpapiere. „Jetzt“, so Sinn, „läuft das nicht mehr, denn die Banken und Versicherungen legen ihr Geld bei der Bundesbank an, und die Bundesbank erhält selbst Ausgleichsforderungen gegen das Zentralbankensystem, Forderungen, von denen anfangs behauptet wurde, sie seien irrelevante Salden, statistische Verrechnungsposten ohne jede Relevanz.“

Wenn Griechenland scheitert, sein Staat und seine Notenbank bankrottgehen, dann entstehen Verluste im Zentralbankensystem für alle anderen. Die teilen sie sich brüderlich nach ihren Kapitalanteilen. Deutschland ist da mit 28 Prozent dabei. Etwa 640 Milliarden unseres Privatvermögens, das wir in Form von Lebensversicherungspolicen und Spargeldern haben und das im Euro-Ausland angelegt wurde, bestehen heute nur aus Forderungen gegen die Bundesbank. Und die Bundesbank hat Forderungen gegen ein EZB-System, Forderungen, die sie niemals fällig stellen kann und die zu einem Zinssatz von einem Prozent bedient werden. „Wenn die Sache knallt, haben wir diese 640 Milliarden Forderung gegenüber einem System, das es dann nicht mehr gibt.“

Daraus folgt für Sinn, „dass wir erpressbar geworden sind. Die Verhandlungsposition im Normalfall hängt davon ab, was im Katastrophenfall passieren könnte.“ Das erklärt, zu welchen Konzessionen man bereit ist. „Wir haben die letzten Jahre für Hunderte von Milliarden Euro netto in die anderen Euroländer exportiert und haben dafür nichts als Target-Forderungen bekommen. Der Süden hat einfach anschreiben lassen.“

Wie machen das denn andere große Währungsräume bei regional unterschiedlichen Leistungsbilanzen? Die Amerikaner, erklärt Sinn, erlauben das dauernde Anschreiben zwischen ihren Distriktnotenbanken nicht. Im Prinzip kann jede der zwölf Distrikt-Feds, die es gibt, ebenfalls mehr Geld schaffen, als für die Zirkulation innerhalb dieses Distrikts benötigt wird, also Geld, das die Bürger in andere Distrikte überweisen, um sich dort netto gerechnet Waren und Wertpapiere zu kaufen oder Schulden zu tilgen. Nur, wenn sie das tut, muss sie die anderen Distriktnotenbanken, die in ihrem Auftrag Guthaben einrichten, dafür einmal im Jahr mit echten, marktfähigen Wertpapieren bezahlen.

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