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Europas Zukunft : Haut doch ab!

  • -Aktualisiert am

Etwas läuft grandios falsch in Old Europe

„Wenn du zulässt, dass Europa kaputtgeht, handelst du gegen deine Chancen“, warnt „Neon“. Welche Chancen? Sind es nicht eher Aufgaben und Pflichten? Gigantische Schuldenberge abtragen, Millionen Flüchtlinge integrieren, viele, viele Rentner versorgen und dabei noch selbst Kinder aufziehen, damit der Umlaut und die Siesta nicht aussterben.

Das ist ja eine ganze Menge, was die jungen Spanier, Italiener, Griechen, Franzosen, Deutschen und Polen da in den nächsten Jahrzehnten so alles geregelt kriegen sollen. Sie werden dabei ziemlich allein dastehen, denn die in den Achtzigern geborenen Millennials sind zahlenmäßig viel kleiner als die Elterngeneration – die Jahrgangsstärke hat sich in Deutschland binnen vierzig Jahren nahezu halbiert. Aber nicht nur die Zahl, auch alles an ihnen ist eine Nummer kleiner. Vor allem auch ihre Chancen.

Etwas läuft grandios falsch in Old Europe, und es hat nichts mit Flüchtlingen oder Terroristen oder dem Klimawandel zu tun. Es ist kein Schicksal, keine Naturkatastrophe, die über die Leute hereinbricht. Es sind von Menschen gemachte und gewollte Entscheidungen, die anderen die Zukunft wegnehmen. Menschen, die kein Mittzwanziger in ein „wir“ einschließen muss, sondern die er oder sie gern auch mal mit „ihr“ ansprechen kann oder mit „die“. Die, in den letzten zwanzig Jahre die Voraussetzungen für das Desaster geschaffen haben, das ihre Kinder heute ausbaden sollen: die Fünfzig- bis Sechzigjährigen. Bald gehen die sogenannten Babyboomer in Rente. Bevor es in die Toskana geht, hätten ihre Kinder da aber noch ein paar Fragen.

Nichts mehr zu sagen als: Weiter so!

Warum haben sie die soziale Mobilität der Nachkriegszeit abgeschafft, dank der sie selbst emporgeklettert sind? Warum haben die Babyboomer wieder und wieder die Politik der Austerität gewählt, warum haben sie überall, sobald sie in den Neunzigern an der Macht waren, den Bankensektor dereguliert, warum haben sie die Universitäten in neugierfeindliche Massenbetriebe verwandelt? Warum haben sie Millionen öffentlicher Wohnungen verkauft, die Städte öde und investorengerecht werden lassen? Warum werden in Europa immer wieder Banken gerettet, aber nie die Zukunft? Warum nimmt die Ungleichheit der Einkommen und Vermögen immer nur zu?

Das sind keine Entscheidungen, die in der Weimarer Republik getroffen wurden, es sind Entscheidungen der letzten zwanzig, dreißig Jahre. Um was genau ging es diesen Leuten? Was ist ihre Botschaft, ihr Erbe? New Labour, Agenda 2010, Bologna-Reform. Und sonst? Die Generation von Merkel und Sarkozy, von Juncker und Barroso, die unsere Gegenwart definiert, hat keinen Krieg überlebt oder verhindert, keinen neuen Planeten betreten und auch nicht die Rockmusik erfunden. Trotzdem hält sie sich für den Sieger am Ende der Geschichte und will partout nicht alt werden, vor allem aber keinen neuen Entwurf zulassen. Fünfzigjährige rennen heute mit Turnschuhen durch Clubs, als ob sie zornige junge Männer wären, haben aber nichts mehr zu sagen als: weiter so.

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