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Europas Idee : Warum soll nur der Papst eine Mission haben?

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Was kann und soll Europa in der heutigen Welt „bedeuten“? Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen im EU-Parlament. Bild: dpa

Europa hatte nach dem Fall der Mauer eine große Idee: Einheit aller Einzelnen zu sein. Heute herrscht ein beschränkter Markt-Realismus. Ein Gastbeitrag.

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          Ist ein politischer Organismus ohne Ziel und Zweck denkbar? Kann es einen politischen Körper geben, der seine eigene Struktur nicht für irgendwie „vorbildlich“ hält – selbst wenn er die Grenzen seiner Macht realistisch einschätzt? Die Personen, die nach dem Selbstmord Europas und seiner Abdankung in der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts den Prozess auf den Weg gebracht haben, aus Europa eine Gemeinschaft zu machen, hätten mit Sicherheit geantwortet: Nein, das gibt es nicht. Diese Frage scheint sich heute nicht mehr zu stellen; sie versetzt die europäische Führungsriege nicht in Unruhe. Sämtliche Probleme werden nur noch im Tauschmodus und nach wirtschaftlich-finanziellen Möglichkeiten entschieden. Mir scheint, alle miteinander haben inzwischen (auch „dank“ der Pandemie) verstanden, dass der europäische, vom Markt und von der Währung geprägte Raum die conditio sine qua non ist, um im globalen Wettbewerb zu überleben.

          Wozu ist Europa „berufen“? Was kann und soll Europa in der heutigen Welt „bedeuten“? Das klingt nach abstrakten, ja, nach überflüssigen Predigten. Der beschränkte Markt-Realismus meint, man solle es Papst Franziskus überlassen, von „Mission“ zu reden. Während einer extrem kurzen Zeit war das anders: in dem Zeit nach dem Fall der Mauer. Damals gab es die Überzeugung, dass das Ende des tragischen zwanzigsten Jahrhunderts für Europa die einmalige Chance bot, eine neue, eigene Stellung zu finden, nicht zuletzt durch die Wiederentdeckung von europäischen Geschichten, die verschüttet waren, von Stimmen, die nicht gehört worden waren. Dass die europäischen Nationen sich politisch vereinten, hätte zur einer Orientierungsgröße für die Welt werden können, die damals vor dem Anbruch einer neuen Epoche stand.

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