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Panoramafreiheit : Sehenswürdigkeiten für alle

  • Aktualisiert am

Ob Touristen in Zukunft wohl eine Genehmigung für das Fotografieren von Sehenswürdigkeiten brauchen? Bild: dpa

Der aktuelle Entwurf für das neue europäische Urheberrecht würde die Panoramafreiheit einschränken. Fotografien von Sehenswürdigkeiten dürften dann nur noch eingeschränkt genutzt werden. Das EU-Parlament gibt jedoch Anlass zur Hoffnung.

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          „Darf ich bitte das Brandenburger Tor fotografieren?“, diese Frage  bei der Ablichtung von Sehenswürdigkeiten wollen die Abgeordneten des EU-Parlaments den Bürgern anscheinend nicht zumuten – und sich selbst bestimmt auch nicht. Die meisten von ihnen seien gegen eine entsprechende Einschränkung im europäischen Urheberrecht, heißt es aus Parlamentskreisen.

          Konkret geht es dabei um die sogenannte Panoramafreiheit. Diese gilt in Ländern wie Deutschland, Polen oder England. Hier darf jeder Fotos von Gebäuden und öffentlichen Kunstwerken machen und sie frei verwenden, auch für kommerzielle Produkte wie Kalender oder Postkarten. Die gewerbliche Abbildung des nächtliche Eiffelturm hingegen ist genehmigungs- und damit auch kostenpflichtig. Neben Frankreich schränken auch Belgien und Dänemark die Panoramafreiheit ein.

          Einschränkungen sind auch für private Nutzer möglich

          Die Europäische Union berät momentan über eine Reform des Urheberrechts, welches zukünftig für alle EU-Staaten einheitlich gelten soll. Die deutsche Piraten-Abgeordnete Julia Reda hat hierfür einen Berichtsentwurf verfasst, der im EU-Rechtsausschuss weitestgehend auf Zustimmung stieß – bis auf die Forderung der Panoramafreiheit in allen EU-Staaten. Redas Forderung nach freier Abbildung von Werken, die „dauerhaft an öffentlichen Orten plaziert sind“, wurde eingeschränkt. Im überarbeiteten Entwurf wird sie von einer Regelung ersetzt, die eine gewerbliche Nutzung solcher Werke immer an eine „vorherige Einwilligung der Urheber oder sonstigen Bevollmächtigten“ koppelt.

          Von einer solchen Einschränkung der Panoramafreiheit wären unter anderem Plattformen wie Wikipedia betroffen. Die Online-Enzyklopädie müsste dann für jede Abbildung von Kunstwerken im öffentlichen Raum Genehmigungen einholen und bezahlen – oder auf eine Nutzung verzichten. Auch der Fotografenverband Freelens zeigte sich über die drohende Einschränkung alarmiert. Julia Reda warnte außerdem vor Konsequenzen für private Nutzer, die Bilder über Plattformen wie Facebook verbreiten wollen.

          Am 9. Juli wird das EU-Parlament über den aktuellen Text der Urheberrechtsreform abstimmen. Der eigentliche Vorschlag für ein neues Gesetz kommt von der Kommission und wird im Herbst erwartet. Nach Angaben der Nachrichtenagentur dpa sollen mittlerweile selbst Mitglieder des Rechtsausschusses an der Änderung des Textes zweifeln. Da sich nun auch die Abgeordneten gegen die Einschränkung geäußert haben, steigt die Hoffnung auf eine Rettung der Panoramafreiheit.

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