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Chef der Essener Tafel : Wen soll Jörg Sartor wählen?

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Weshalb wird einem Menschen, der in gemeinnütziger Arbeit jahrelang bewiesen hat, kein sozialer Dummkopf und nicht herzlos zu sein, ohne weitere Prüfung unterstellt, er handele unsachgemäß und „nicht gut“ (Merkel)? Weshalb nimmt sich das ausgerechnet eine Politikerin heraus, deren Entscheidungen, vorsichtig formuliert, mit zu den Schwierigkeiten beigetragen haben, die es der Essener Tafel nicht mehr ermöglichen, unschuldig und jedem gerecht werdend soziale Hilfe zu leisten? Damit ist nicht nur die Einwanderungspolitik gemeint, sondern auch die Sozialpolitik. In den Regierungsjahren welcher Kanzler sind denn die Zahlen der Tafelbedürftigen dramatisch in die Höhe gegangen?

Die Kanzlerin hat mitgeteilt, sie werde nach Essen kommen, um sich ein „realistisches Bild“ von der Lage dort zu machen. Ist ihr schon einmal der Gedanke gekommen, dass man sich besser zuerst ein realistisches Bild machen sollte, bevor man über RTL denen, die in dieser Wirklichkeit leben, Zensuren erteilt? Oder an die Adresse der CDU-Vorsitzenden mehr als an die Kanzlerin gerichtet: Sollte nicht in die Analysen der Gründe für das Abschmelzen der Volksparteien in den vergangenen Wahlen miteinbezogen werden, dass diese Reihenfolge – erst ein realistisches Bild, dann erst Belehrungen – auch für viele Wähler wünschenswert wäre? Kurz: Kann Jörg Sartor noch CDU wählen, wenn man ihm so kommt?

Oder fragen wir analog Frau Ministerin Barley (SPD), die erklärte, Menschen pauschal auszuschließen fördere Vorurteile: Werden die Vorurteile nicht mindestens so sehr von denen befördert, die als junge männliche Migranten sich in jenen Schlangen rüpelhaft benehmen? Wäre es nicht wenigstens geboten, sich in Essen zu erkundigen, worauf dort der Eindruck gründet, der Zulassungsstopp für Ausländer sei die Ultima Ratio, bevor man Jörg Sartor einer Vergiftung der Einstellung zu Migranten bezichtigt? „Der Ausländerhass“ sei jetzt „sogar bei den Ärmsten angekommen“, fällt ihrem Parteigenossen Karl Lauterbach zu Essen ein. Es ist derselbe Karl Lauterbach, der von 2005 bis 2009 und seit 2013 im Bundestag einer Regierungsmehrheit angehörte, die nicht verhindert hat, dass jetzt die Armen die Lasten der Zuwanderung tragen, wie es Sahra Wagenknecht (Linke) formulierte. Nicht Jörg Sartor hat den Konflikt in die Gruppe der Hilfesuchenden hineingetragen, nicht Jörg Sartor hat sich Hartz IV ausgedacht und auf Parteitagen den Kanzler bejubelt, der es sich mitausgedacht hat, nicht Jörg Sartor hat es verabsäumt, etwas gegen Wohnungsknappheit und hohe großstädtische Mieten und zu geringe Bedarfssätze zu tun.

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