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Ernährung : Wie gesund sind Biolebensmittel?

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Naturgemäß finden sich in Obst und Gemüse vom Biobauern also seltener Pestizidrückstände. Das bestätigt seit mehr als einem Jahrzehnt regelmäßig das Ökomonitoring Baden-Württemberg, ein in der EU einzigartiges Projekt. Die Mitarbeiter bestimmen jedes Jahr die Pestizidrückstände in 300 Lebensmittelproben pflanzlicher Herkunft. „Die Rückstände sind nach aktuellen Untersuchungen bei Biogemüse dreihundertzwanzigfach niedriger als bei konventionell erzeugtem Gemüse, achtzigfach niedriger bei Bio-Obst als bei konventionell erzeugtem Obst“, bilanziert die Lebensmittelchemikerin Petra Mock, Referatsleiterin für den Bereich Lebensmittelüberwachung im baden-württembergischen Landwirtschaftsministerium.

Weil die gesetzlich vorgeschriebenen Grenzwerte trotzdem auch bei den konventionellen Proben fast immer eingehalten wurden, dürften diese Unterschiede keine Konsequenzen für die Gesundheit von Nicht-Bio-Käufern haben. „Die gesetzlichen Grenzwerte sind so gewählt, dass man Produkte, die die Höchstmengen nicht überschreiten, lebenslang bedenkenlos zu sich nehmen kann“, sagt Mock. Manche Menschen hätten allerdings ein höheres Bedürfnis nach Sicherheit, räumt der Schweizer Agrarwissenschaftler Niggli ein. Tierversuche haben immerhin gezeigt, dass Pestizide viele verschiedene Organsysteme krankhaft verändern können, sie greifen vor allem in das Hormonsystem ein. „Kritiker argumentieren, dass wir im Laufe unseres Lebens relativ viele Rückstände aufnehmen, die teilweise auch noch miteinander interagieren“, sagt Niggli. „Inwiefern beispielsweise ungeborene Kinder Pestizide aufnehmen und was das bewirkt, darüber weiß man noch nicht genug.“

Belastung durch Keime

Vereinnahmen lassen sollte man sich von der Angst, durch Pestizide im Essen langsam vergiftet zu werden, aber besser nicht. Das Bundesinstitut für Risikobewertung hat der Pestizid-Panik der Deutschen schon Analysen in Diplomarbeitslänge gewidmet und bemängelt immer wieder, dass andere, reale Gefahren gar nicht als solche wahrgenommen werden: zum Beispiel das Risiko, sich über Lebensmittel mit Keimen zu infizieren und durch eine einzige Mahlzeit schwer krank zu werden.

Auch was dieses Risiko betrifft, sind Biolebensmittel schon mit ihren konventionell erzeugten Pendants verglichen worden. Lange ging man davon aus, dass Biofleisch bakteriell stärker belastet ist, weil die Tiere Zugang zu Ausläufen haben. Hier können sie ihre Nasen in den Dreck stecken und sich Salmonellen oder andere Krankheitserreger zuziehen. Doch dänische Wissenschaftler haben gezeigt, dass Schweine, die draußen leben, signifikant weniger Salmonellen ausscheiden als Schweine in abgeschotteten Ställen. Damit ist auch das Risiko vermindert, dass Biofleisch bei der Schlachtung mit den gefährlichen Durchfallerregern verunreinigt wird. Die Wissenschaftler vermuten, dass naturnah gehaltene Schweine ein besseres Immunsystem haben. Es hält die Keime besser in Schach, so dass sie sich nicht ständig vermehren und in die Außenwelt gelangen.

Zu Ende erforscht ist diese Frage noch nicht. Im Raum steht auch, dass kürzere, ruhigere Transporte zum Schlachthof den Stress und damit die Menge an ausgeschiedenen Salmonellen, die das Fleisch kontaminieren könnten, mindern. Und die Lebenszeit, die man Tieren zugesteht, könnte ebenfalls eine Bedeutung haben. Schließlich kann das Immunsystem, das den Körper des Tieres salmonellenfrei halten soll, kaum reifen, wenn ein Huhn nur 35 Tage alt wird wie in konventionellen Mastformen. Wer all die noch zu erwartenden Studien nicht verfolgt, kann jedenfalls einen Rat aus dem, was Forscher jetzt schon wissen, ziehen: Mit Bio macht man zumindest nichts falsch - und ist in den meisten Fällen auf der sicheren Seite.

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