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Entwurf für Bühnen-Neubau : Kein Koolhaas

  • -Aktualisiert am

Kannte den ihm zugeschriebenen Entwurf nicht: der niederländische Star-Architekt Rem Koolhaas Bild: dpa

Ein Entwurf für den Frankfurter Bühnen-Neubau am Osthafen, von Rem Koolhaas? Der aussieht, als hätte jemand zu lange mit einem Messer an einem Styroporklotz herumgespielt? Wir haben hingeschaut und nachgefragt.

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          Spektakulär klang, was der Frankfurter Grundstücksentwickler Groß und Partner an diesem Donnerstag in einer Pressemitteilung bekanntgab und was von der Lokalpresse als Sensation gefeiert wurde: Auf Initiative der Immobilienfirma, so das „Journal Frankfurt“, habe „Koolhaas, der vielleicht bekannteste Vertreter zeitgenössischer Architektur, eine Vision für eine Doppelanlage am Osthafen entwickelt“ und damit in die Debatte um die Zukunft der Frankfurter Bühnen eingegriffen: Während die Politiker sich noch streiten, ob man den Willy-Brandt-Platz als Standort erhalten und mindestens eine der Bühnen dort belassen oder Schauspiel und Oper im Doppelpack an den Osthafen verlegen solle, gebe es demnach nun sogar schon einen architektonischen Vorschlag für die zweite Lösung, der als „Wahrzeichen zu Frankfurts Sichtbarkeit beitragen kann“.

          Auf der Website von Groß und Partner selbst ist zu lesen, dass „der Entwurf von dem Architekturbüro OMA unter der Leitung von Rem Kohlhaas“ (dessen Name hier falsch geschrieben wird) entwickelt wurde. Ob sich „Frankfurt bald mit einem Rem Koolhaas schmücken“ könne, fragt begeistert das „Journal“ und feiert den Entwurf als „ Gebäude, das auch Sehenswürdigkeit“ sei. Wirklich? Wenn man sich den Entwurf – zwei kreuzförmig organisierte Theaterbauten mit weit auskragenden Überhängen, die ein bisschen wie abstrakte Yachten und ein bisschen so aussehen, als hätte jemand zu lange mit einem Messer an einem Styroporklotz herumgespielt – genauer anschaut, wundert man sich: Das Ding sieht eher aus wie eine Art Architekturbouillabaisse aus Elementen verschiedener Koolhaas-Entwürfe, ein seltsam ungelenker Architekturwolpertinger aus seiner Casa da Musica in Porto und dem im Bau befindlichen Taipei Performing Arts Center.

          Anruf bei Rem Koolhaas: Ob er seinen Entwurf erklären könne? Warum er, der so intensiv das Verschwinden von Experiment- und Freiräumen aus den Innenstädten kritisiert, jetzt die Kultur so hemdsärmelig vom Theaterplatz abräumen will? Antwort: Er, Koolhaas, habe diesen Entwurf „nie gesehen und sei keineswegs sein Autor“. Nanu? Auf Nachfrage gibt man bei Groß und Partner zu, dass der Entwurf, anders als die Website insinuiert, gar nicht von Koolhaas selbst stammt, sondern bloß von einer Mitarbeiterin seines Büros, des von ihm mitgegründeten „Office for Metropolitan Architecture“, in dem Koolhaas einer von mehreren unabhängig arbeitenden Partnern ist und das Hunderte von Architekten beschäftigt.

          Der Entwurf, heißt es dort, sei jedoch nicht mit den Partnern abgesprochen und repräsentiere keineswegs die Haltung des Büros. Koolhaas erklärt im Gespräch mit dieser Zeitung, dass er „in keiner Weise hinter dem Entwurf“ stehe. Anhänger des Doppelumzugs in den Osthafen werden also nach anderen prominenten Unterstützern, die Frankfurter nach anderen Wahrzeichen suchen müssen.

          Niklas Maak

          Redakteur im Feuilleton.

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