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Mohammed-Karikaturen : Englische Religionsstunde

Elternversammlung vor verschlossenem Tor: Demonstranten vor der Batley Grammar School protestieren dagegen, dass ein Lehrer im Unterricht eine Karikatur des Propheten Mohammed gezeigt hat. Bild: Getty

In der nordenglischen Mittelstadt Batley wurde ein Lehrer vom Dienst suspendiert, weil er im Unterricht eine Mohammed-Karikatur zeigte. Aktivisten protestieren weiter, aber Schüler solidarisieren sich.

          3 Min.

          In der nordenglischen Mittelstadt Batley musste ein Lehrer mit seiner Familie untertauchen. Gegen ihn wurden Morddrohungen ausgesprochen, weil er dreizehn- bis vierzehnjährigen Schülern im Religionsunterricht eine Mohammed-Karikatur gezeigt hat – es handelte sich offenbar um die „Charlie-Hebdo“-Zeichnung des Propheten mit einer Bombe im Turban. Der Lehrer, heißt es, wollte mit der Frage, ob der Karikaturist oder die Täter Schuld seien an dem Terrorangriff auf das Pariser Satiremagazin vor sechs Jahren, die Schüler zum kritischen Denken und philosophischen Diskurs animieren. Die genauen Umstände sind nicht bekannt. Doch sah sich die Schule wegen des Protestes einiger Eltern und muslimischer Aktivisten veranlasst, den Lehrer zu suspendieren und sich „uneingeschränkt zu entschuldigen für die Verwendung eines völlig unangemessenen Bildes“ in einer Religionsstunde.

          Gina Thomas

          Feuilletonkorrespondentin mit Sitz in London.

          Die Batley Grammar School, eine Gründung aus dem Jahr 1612, hatte ursprünglich eine andere Erklärung formuliert. Sie ging den Wortführern des Protests, einem Mufti, der einem „Peace Institute“ vorsteht, und dem muslimischen Gründer einer Wohltätigkeitsorganisation namens „Purpose of Life“, nicht weit genug. Der Mufti Mohammed Amin Pandor erklärte nicht nur, Änderungen gefordert zu haben, bevor die Entschuldigung publiziert wurde. Er verlangte auch, in der unabhängigen Kommission vertreten zu sein, die den Fall prüfen wird. Mohammed Sajid Hussain wiederum drohte, der Schule die Unterstützung seiner Stiftung zu entziehen, wenn der Lehrer nicht seines Postens enthoben werde. Es scheine Leute zu geben, welche die Redefreiheit missbrauchen wollten, indem sie „unseren geliebten Propheten beleidigen“. Mohammed Sajid Hussain sah darin ein klares Zeichen dafür, wie sehr Menschen die schöne Religion des Islam hassten. Das Verhalten sei „eindeutig sadistisch“. Nach seinem Empfinden sei die Tat des Lehrers ein Fall von Terrorismus gegen den Islam und Muslime in aller Welt.

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