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Ende des Patriarchats : Der Feminismus hat sich verirrt

  • -Aktualisiert am

Neuer Sexismus

Sie würden einem dringend benötigten Ende des Patriarchats zuarbeiten. Im Lärm um Frauenquoten und unangemessene Dirndlkomplimente ist es aber so gut wie unmöglich, auf die fundamentalen Kennwerte zu sprechen zu kommen. Statt mehr Freiheit und Eigenverantwortung wird für Frauen mehr Schutz gefordert. Man will Unternehmen im Dax vorschreiben, wer einzustellen ist, obwohl die Neubesetzung von leitenden Positionen der deutschen Wirtschaft bereits zu 48 Prozent an Frauen geht: Noch immer sind wir in das Bild der Frau als Opfer verliebt, mehr als früher, obwohl die größeren Opfer der Mann trägt. Männer werden nicht etwa aus ihrer sozialen Rolle entlassen. Lieber wirft man ihnen Neue Weinerlichkeit vor, sobald sie sich zu ändern beginnen. Impotenz, hört man, breite sich aus, obwohl Warren Farrell schon vor zwanzig Jahren feststellte, dass sie meist mit simpler Unlust verwechselt wird. Vor allem droht der Neue Mann aber, seine Arbeitskraft nicht mehr uneingeschränkt für andere zur Verfügung zu stellen. Deshalb wird er so heftig bekämpft.

Es gibt einen Effekt zweiter Ordnung: Die fast schon totale Einigkeit der Medien und der Unterhaltungsindustrie, der Politik und der Rechtsprechung im Urteil über das männliche Geschlecht lässt nicht nur die Männer in Untätigkeit erstarren. Jungen müssen heute mit einem negativen Männerbild aufwachsen, das sie später verkörpern werden, weil sie kein anderes kennen. Hollstein macht genau das fürs Anwachsen der Gewalt unter Jungen verantwortlich. Dass die Erziehungsberufe von Frauen dominiert sind, wirft die Jungen noch weiter zurück. Männer werden nicht mehr als Vertrauenspersonen erlebt. So erzeugt unser sexistisches Gerede neuen Sexismus.

Gegenmaßnahmen

Dabei war es der Mann, der so oft mit den mörderischsten Selbstversuchen die moderne Wissenschaft vorangebracht, die Sterblichkeit gesenkt und Diktatoren besiegt hat. Frauen legt er große Kunst zu Füßen, wie Antje Rávic Strubel kritisiert, und während die Frau die Klos putzt, reinigt er die Kanäle und ist, mit einem Wort von Paul Nizon, der Unberührbare. In der Familie ist er ein besserer Hausmeister, verstopfte Abflussrohre sind genauso sein Metier wie die soziale Drecksarbeit beim Vermieter, den Handwerkern und der Bank. Wir debattieren über Adoptionsrechte für Homosexuelle, aber nicht über ein automatisches Sorgerecht des Vaters. Ein Mitspracherecht des Vaters bei Abtreibungen: Wer das fordert, muss irre sein. Der Vater ist der ausgeschlossene Dritte, und hier schließt sich der Kreis: Gesundheit entsteht in der Familie, wie jede Statistik zeigt. Das Ankommen des Mannes in der inneren Familie ist, da hat der Androloge und Professor für Sozialpädagogik an der TU Dresden Lothar Böhnisch recht, die wichtigste Aufgabe auf dem Weg in eine nicht sexistische Gesellschaft.

Mag die Daxquote kommen, die das Patriarchat 2.0 festigt, weil dann alle Frauen Quotenfrauen von Mannes Gnaden sein werden. Wir benötigen in jedem Fall Gegenmaßnahmen, die sich nicht nur auf die Forderung nach gleicher Lebenserwartung für alle in den Vereinten Nationen lebenden Menschen beschränken, sondern auch:

1. eine Quote bei den Ausgaben der Krankenkassen: Binnen zehn Jahren sollen maximal vierzig Prozent eines Jahresbudgets an ein Geschlecht allein gehen;

2. gleichberechtigte Elternschaft: Binnen zehn Jahren Sorgerecht für jeden leiblichen Vater, eine Mitwirkungspflicht der Mutter bei der Feststellung einer Vaterschaft;

3. eine Quote in den Erziehungsberufen: Binnen zehn Jahren muss die Verdrängung von Männern gestoppt und umgekehrt werden. Vierzig Prozent männliche Erzieher und Lehrer!

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