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Neuropsychologie der Empathie : Mitgefühl ist leider nicht für alle da

Sicherheit und Vertrauen sind nötig: Wer Angst hat, zu kurz zu kommen, wird sich keine Empathie leisten können. Bild: AFP

Im Hirn statt im Herzen entscheidet sich, ob wir Angehörigen anderer Menschengruppen helfen wollen – die Neuropsychologie der Empathie habe ernste soziale Folgen, sagt die Forscherin Grit Hein.

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          Wenn Vertrauen zerstört wird, reagiert unser Gehirn. Es wäre also jetzt, da der Entrüstungssturm um die Zugangsregelungen bei der Essener Tafel für Bedürftige allmählich abflaut, interessant zu untersuchen, wie sich die Empathie derer, die direkt oder indirekt am Streit beteiligt waren, gegenüber bestimmten Gruppen verändert hat. Anders formuliert: Wer schenkt eigentlich zukünftig noch wem sein Mitgefühl, wer entzieht es wem? Wie viel Empathie mag der an den öffentlichen Pranger gestellte Vereinsvorsitzende der Essener Tafel, Jörg Sartor, der nach eigener Aussage sein ganzes Leben lang die SPD gewählt hat, jetzt noch für die SPD aufbringen? Oder: Wie ist es um das Mitgefühl einer alleinerziehenden Mutter für Zugewanderte bestellt, die sich im Verteilungskampf um einen Laib Brot von Migranten verdrängt gefühlt hat? Und umgekehrt? Oder nehmen wir einen ganz normalen Zeitungsleser: Wie groß wird dessen Empathie nach den bisweilen hysterischen Schlagzeilen noch sein für Menschen, die hilfesuchend zu uns kommen? Höchstwahrscheinlich würde man feststellen, dass die Empathie auf allen Seiten dramatisch gesunken ist.

          Melanie Mühl
          Redakteurin im Feuilleton.

          Warum? Weil „Empathie immer einen Nährboden aus Sicherheit und Vertrauen braucht“, sagt die Neuropsychologin Grit Hein, die an der Universität Würzburg lehrt. Wer Angst hat, zu kurz zu kommen, sei es nun bei der Vergabe von Nahrungsmitteln oder billigem Wohnraum, der wird sich jedenfalls keine Empathie leisten können, der wird vermutlich angsterfüllt auf alles Unvertraute blicken, sich in sein Ingroup-Denken zurückziehen und Mauern errichten. Würde man so jemanden in einen Kernspintomographen legen, könnte man seine Ängste bildlich sehen. Grit Hein war federführend an einer in Zürich durchgeführten Studie beteiligt, die herausfinden wollte, ob positive Erfahrungen mit Fremden die Empathie erhöhen können und wie viele von diesen positiven Erfahrungen für einen nachweisbaren Effekt tatsächlich benötigt werden.

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