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Macrons Auftritt : Der Erwählte

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Rede an das französische Volk, nicht nur an seine Wähler: Emmanuel Macron. Bild: afp

Emmanuel Macron präsentiert sich als designierter Präsident im Hof des Louvre. Die beeindruckende Inszenierung seines Auftritts lässt an einen seiner Vorgänger denken.

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          Ein Mann allein in der nächtlichen Cour Napoléon des Louvre. Allein zumindest für die Kameras, die seinem gemessenen Gang folgen. Links und rechts neben der Glaspyramide ist er auf Videoleinwänden zu sehen für ein Publikum, das ihn so aus dem Hintergrund kommen sieht. Aus einem nicht ausgeleuchteten Halbdunkel, in dem er über drei Minuten bleiben wird.

          Lange Zeit ohne jede Geste, nur die Augen hin und her wendend. Spät erst, als der Lichtschein der Bühne, auf die er nun zugeht, sich bemerkbar macht, das erste Winken hin zu den seitlich Wartenden, jetzt zum ersten Mal lächelnd. Und dann, zu den Klängen der Europa-Hymne, zu Beethovens „An die Freude“, der Aufstieg auf die hell erleuchtete Bühne vor der Pyramide, dort, wo Besucher des Museums sonst Schlange stehen. Vor der Pyramide, die einer seiner Vorgänger hat bauen lassen, an den man unwillkürlich denkt, wenn man die Bilder von Emmanuel Macrons Gang zu seiner Rede am Louvre sieht.

          François Mitterrand hat 1981 gezeigt, dass es ein sozialistischer Präsident noch besser als die Rechte verstand, das berühmte Wort de Gaulles in Szene zu setzen, nach dem die Wahl des französischen Präsidenten die Begegnung zwischen einem Mann und einem Volk sei. Die Bilder haben Bestand: Mitterrand am Tag der Investitur, nach der Amtsübergabe im Elysée-Palast und dem Besuch des Grabs des unbekannten Soldaten am Arc de Triomphe, allein die Rue Soufflot hinaufschreitend, die rote Rose in der Hand, die er dann auf dem Sarkophag Jean Moulins ablegen würde. Und auch damals erklang Beethovens „An die Freude“, die vier Jahre später erst zur offiziellen Hymne der Europäischen Gemeinschaft werden sollte.

          Die Amtseinführung, die Einladung zu großer nationaler Symbolik, hat Macron noch vor sich. Der Auftritt als Président élu in der Cour Napoléon berechtigt zu hohen Erwartungen. Bis hin zum Umstand, dass er die triumphale Mittelachse dabei gerade vermied. Eine Lichtregie, die den Weg aus dem Halbdunkel, in dem der Erwählte noch seiner Wahl oder vielleicht seiner Sendung nachsinnt, hinein ins Licht seines öffentlichen Dienstes an Frankreich, wird dann wegen Tageshelle zwar entfallen. Dafür vielleicht auch, zur Kompensation, Beethovens strapazierte Hymne.

          Helmut Mayer
          Redakteur im Feuilleton, zuständig für „Neue Sachbücher“.

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