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Anschläge auf Juden : Hat Macron noch eine Chance gegen die Islamisten?

Emmanuel Macron bei seiner Rede gegen Extremismus am vergangenen Freitag. Bild: EPA

Der französische Präsident Emmanuel Macron sagt dem „islamistischen Separatismus“ endlich den Kampf an. Bevor er spricht, verwüsten antisemitische Vandalen ein jüdisches Restaurant. Für die Republik geht es längst um alles.

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          „Hitler hatte Recht“ und zehn Hakenkreuze schmierten sie auf die Mauern des Fast-Food-Restaurants im 19. Pariser Arrondissement. Die Gegend, in der es sich befindet, wird „La petite Jérusalem“ – Klein-Jerusalem – genannt. Die Spezialität des Restaurants ist der „Glatt Kosher Burger“ in verschiedenen Größen, das Motto des Betriebs lautet: „Kommen Sie, wie Sie sind, oder bleiben Sie, wo Sie sind, Mac Queen liefert.“

          Jürg Altwegg
          Freier Autor im Feuilleton.

          Die Vandalen kamen in der Nacht zum vergangenen Freitag nach der vorgezogenen Polizeistunde als Antisemiten. Stühle und Scheiben wurden zusammengeschlagen, die Wasserhähne geöffnet. Und aus der Kasse wurden fünfzig Euro gestohlen.

          Der Anschlag wird mit den Prozessen zu den Attentaten auf den jüdischen Supermarkt „Hyper Cacher“ und „Charlie Hebdo“ in Verbindung gebracht. Vor ein paar Tagen musste Marika Bret, die Leiterin der Personalabteilung der Satirezeitschrift, nach ihrer Aussage vor Gericht ihre Wohnung verlassen. Vor dem früheren Redaktionssitz verletzte ein junger Pakistani vier Menschen mit einer Machete – er wird in seiner Heimat als Held gefeiert.

          Und jetzt auch noch das „Mac Queen“. „Fünf Jahre nach den Attentaten hat die Bedrohung der Juden in Frankreich einen Höhepunkt erreicht“, erklärte Noémie Madar, die Präsidentin des Verbands Jüdischer Studenten („Union des étudiants Juifs de France“, UEJF): „Sie sollen sich beim Einkaufen und im Restaurant unsicher fühlen.“ Sie verbreitete ein kurzes Video, das einen Eindruck von den Verwüstungen im überschwemmten „Mac Queen“ vermittelt. In „Klein-Jerusalem“ gehören verbale und physische Attacken auf Juden zum Alltag. Ende August wurde ein Mann zusammengeschlagen und beraubt.

          Noch weiß man nicht, wer die Täter sind. Auch im Umfeld der „Gelbwesten“-Proteste war es zu antisemitischen Ausschreitungen – mit Friedhofsschändungen – gekommen. Minutenlang wurde der Philosoph Alain Finkielkraut am Rande einer Demonstration als „dreckiger Jude“ beschimpft. Die Hakenkreuze, so Finkielkraut, werden heute als Symbol für Israel verwendet. Demonstranten gegen die „Islamophobie“ trugen einen Judenstern. Der Slogan „Free Palestine“ und der Zeitpunkt verweisen ebenfalls auf islamistische Fanatiker. Einen Prolog zur Einstimmung auf Rede Macrons über die „Separatismen in der Republik“ wollten sie wohl inszenieren. Mehrmals hatte der Staatspräsident seine Rede verschoben. Er hielt sie wenige Stunden nach dem Anschlag.

          Ursprünglich wollte er sie in Lunel zu halten. Von hier aus waren zwanzig Franzosen in den Dschihad gezogen. „Unser Land hat Angst“, hatte er in seiner Fernsehansprache zum Nationalfeiertag erklärt: „Es hat das Vertrauen in sich selbst verloren“. Am 28. August beklagte er während des mörderischen Sommers die „Banalisierung der Gewalt“. Auch am 4. September zelebrierte er im Pantheon den 150. Geburtstag der Republik. Stets aber war er bemüht, den Islam nicht als Religion zu „stigmatisieren“.

          In Les Mureaux in der Pariser Banlieue hatte er bereits 2018 eine Rede über den Zugang zur Kultur gehalten. Der Ort kennt alle Aspekte der Islamisierung, ist aber weniger belastet als Lunel. Am Freitag sprach der Staatspräsident, der sich nie strikt an seine Manuskripte hält, Klartext. „Ohne Tabus“, wie er versprach, und man kann das durchaus als Selbstkritik auslegen: Macron sprach von einer „Ideologie“, die ihre Werte über jene der Republik stellt. Bei den jugendlichen Muslimen gilt das für die Mehrheit. Ein „Erwachen der Republik“ will der Präsident in die Wege leiten. Schon in einem Jahr soll die Schulpflicht für Kinder ab drei Jahren gelten und der Heimunterricht verboten werden. Genauso wie das Ausstellen von „Jungfräulichkeits-Zertifikaten“ und die Öffnung der Schwimmbäder nur für Frauen.

          Nach der Beschimpfung Alain Finkielkrauts stufte das Parlament den Antizionismus in einer Erklärung als Antisemitismus ein. Auch das Gesetz gegen den „islamistischen Separatismus“ (Macron) kann das „republikanische Erwachen“ allein nicht auslösen. Macron aber darf man bescheinigen, dass er eine seiner deutlichsten Reden gehalten hat. Sie knüpft an seine Ansprache zum Jahrestag der Razzia im Pariser Radstadion Vel’d’Hiv an. Damals sagte der Staatspräsident, dass die Ermordung der Jüdin Sarah Halimi in Paris „die ganze Menschheit angeht“. Der Schriftsteller Eric Marty, Autor des Essays „Le nouvel antisémitisme“, deutete die „historische Rede“: „Seit Auschwitz ist jeder antisemitische Akt, jeder antisemitische Mord die symbolische Wiederholung von Auschwitz.“

          Das gilt auch für die Zerstörung des unscheinbaren Hamburger-Restaurants „Mac Queen“.

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