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Überwachung mit Wearables : Ich weiß, was du tust

  • -Aktualisiert am

Sich unbeobachtet zu fühlen, beutete nicht immer, auch unbeobachtet zu sein. Bild: Picture-Alliance

Um Kinder und Tiere im Griff zu behalten, selbst wenn sie nicht in physischer Reichweite sind, gibt es immer mehr technische Möglichkeiten. Wo führt dieses Ausspionieren noch hin?

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          Dass Kinder und Tiere Geheimnisse haben, ist für jene, unter deren Obhut sie stehen, oft ärgerlich. All die wilden Fantasien, von denen man nicht das Geringste ahnt! Womöglich arbeiten die kindlichen und tierischen Gehirne an Ausbruchsplänen. Nun können Eltern den Nachwuchs beim abendlichen Vorlesen noch um den Finger zu wickeln versuchen, um an Informationen aus ihrem Innersten zu gelangen, doch bei einem Border Collie fällt diese Strategie flach. Ganz gleich, ob nun Kind oder Tier: Genau genommen bleibt dem Kontrollfreak nur die Möglichkeit, zu spionieren und die Überwachung als Fürsorge zu tarnen. Das Angebot ist ja gigantisch, da dürfte für jeden, der einen Helikopter-Erziehungsstil pflegt und seine Kinder nicht ohne Schwimmweste ins Planschbecken lässt, etwas dabei sein.

          Per mit GPS ausgestatteter Kinder-Smartwatch etwa kann man stets beobachten, ob die Kleinen auch den vorgeschriebenen Bewegungsradius von fünfzig Metern um das Haus einhalten oder sich gefährlich weit von diesem entfernen. Mittlerweile ist das freilich technischer Standard. Unter dem Namen Seeker entwickelt Amazon gerade ein für Vier- bis Zwölfjährige gedachtes Wearable, dessen Design noch unklar ist – es könnte sich um ein Armband oder auch um eine Art Schlüsselanhänger handeln mit der Möglichkeit, das Kind direkt anzusprechen, falls es nicht spurt. Das passiert manchmal auch Erwachsenen. Zum Beispiel, wenn sie mit dem Rad eine rote Ampel missachten und es aus dem Lautsprecher des hinter ihnen fahrenden Polizeiwagens schallt: Rote Ampeln gelten auch für Radfahrer! Da zuckt man schon mal zusammen und reißt sich am Riemen.

          Wer zum Ausspionieren anderer neigt, ist selbstredend nicht zufrieden, wenn nur die jüngsten Familienmitglieder überwacht werden, der wünscht sich auch ein regelmäßiges Update zum Verhalten seines Hundes oder seiner Katze. Das intelligente mit GPS ausgerüstete Halsband der Firma Whistle ortet das Tier nicht nur, es zeichnet auch auf, ob es sich ungewöhnlich häufig kratzt (weil das Halsband juckt?), leckt oder zu wenig bewegt. Da stellt sich die Frage: Was konkret bedeutete eigentlich zu wenig Bewegung? Und wird da nicht der Überinterpretation Tür und Tor geöffnet? Womöglich verhält es sich schlicht ähnlich wie bei einem selbst: Mal stemmt man freudig Gewichte, mal hängt man auf der Couch ab. Könnten Hunde sprechen, sie würden gewiss Arthur Conan Doyle zustimmen, der einst sagte: „Ein Hund spiegelt die Familie. Wer sah jemals einen munteren Hund in einer verdrießlichen Familie oder einen traurigen in einer glücklichen? Mürrische Leute haben mürrische Hunde, gefährliche Leute gefährliche.“ Da hilft kein Wearable dieser Welt.

          Melanie Mühl
          Redakteurin im Feuilleton.

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